• DAS SZIGET FESTIVAL 2022

    Sechs Tage Musik in Budapest. Bei dem größten Festival Europas, das von circa einer halben Million Menschen besucht wird. Beim Anschauen der Aftermovies von 2019 und 2018 zweifle ich kurz an meiner Entscheidung, mich für eine Woche allein durch das Getummel und endloses (Musik-)Programm zu wühlen. Doch die Insel auf der das Spektakel stattfindet, die vielen Bühnen mit den unterschiedlichsten Acts aus allen Genres, Theater und Workshops haben mich dann doch überzeugt.

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  • HYPERPOP ZUCKERSCHOCK

    In einem breiten Ringordner, der in ein kariertes Küchentuch eingeschlagen ist, bewahrt meine Mutter ihre Rezepte auf. Für Kuchen, Kekse oder Kürbiskernbrot. Bei Fragen nach der Menge einzelner Zutaten oder einer Backzeit ist immer gewiss eine Antwort auf den eingehefteten linierten Karteikarten zu finden.

    Wie wäre es, wenn das Songschreiben auf ähnliche Art verläuft? Und zwischen den mit Filzstift umrahmten Lieblingsrezepten hier und da die Melodie des nächsten Charterfolgs aufgeschlüsselt in seine kleinsten Bestandteile und Stimmungen daliegt?

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  • BÜCHER, DIE ICH LAS / MÄRZ 22

    DOCH – Drangsal

    Die meisten Bücher, die ich von Künstler*innen las, waren ein Anlass zum genaueren Hinhören, Sezieren bis dato mir nicht so bekannter Musik. Nicht so bei diesem Buch, was weder Roman noch Biographie ist. Eine Sammlung an Gedanken, die in 173 Seiten durch Erinnerungen, Fantasien, Absurditäten oder Süßigkeiten führen. Ein lyrischer Output, der in dem Maße nicht in Songtexte passt. Das Buch ist kurzweilig, perfekt für eine Bahnfahrt. Es ist ein sanftes Buch. Und beim Lesen habe ich die Stimme des Autors im Hinterkopf, die aus Podcasts und Interviews nur zu vertraut ist. Nichtsdestotrotz ist der Tonfall etwas anders. Verzierte und gleichzeitig unverblümte Worte überwiegen den Text und manchmal denke ich, da haben wir etwas gemeinsam, wenn sich die Erlebnisse wie bei „Lachen“ auf dem Papier ausfalten.

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  • IMMERGUT IN BILDERN

    IMMERGUT IN BILDERN

    Etwas desorientiert blicke ich die knallorangene Zeltplane an, die über meinem Kopf gespannt ist. Wachgerüttelt von einer dumpfen Bass Drum, die sich in mein Unterbewusstsein geschlichen hat und den ersten glockenhellen Klängen einer bekannten Melodie. Arche Gruber spielt im Hintergrund, ich erinnere mich wieder wo und warum ich hier bin – in meinem Zelt auf dem Immergut Festival, das ich knapp vor einer großen Regenschauer aufgebaut habe. Zu meiner Erleichterung stelle ich fest, dass es erst gegen 14 Uhr ist und ich den Drangsal Auftritt nicht verschlafen habe. Denn dafür bin ich doch nach Neustrelitz gereist, oder?

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  • EIN BEAT, EINE GITARRE UND EINE STIMME

    EIN BEAT, EINE GITARRE UND EINE STIMME

    Schon von Weitem ist die rot leuchtende, Bowie-eske Frisur von Crayon Jones zu erkennen. Die Gitarre im Rucksack über der Schulter wartet er zusammen mit seinen Bandkolleginnen Nico Rosch und Vik Chi vor dem Geschwister Nothaft Café, wo es noch einen Matcha Latte auf die Hand gibt, bevor die Probe beginnt. Wie sonst jeden Donnerstag trifft sich das Trio in Berlin Neukölln, um für das gemeinsame Bandprojekt zu üben – Indie, Garagenrock und DIY treffen hier unter dem Namen LOBSTERBOMB aufeinander. 

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  • VON TRAUMWELTEN UND SCHLAFLOSEN NÄCHTEN

    VON TRAUMWELTEN UND SCHLAFLOSEN NÄCHTEN

    Morgens immer müde. Das liegt nicht allein an durchtanzten Nächten, wie es Laing in ihrem 2012er Radiohit besingen. Mit einer anderen Form der schlaflosen Stunden beschäftigt sich neun Jahre später die Wuppertaler Künstlerin Maria Basel. In the silence when my thoughts get loud / In the void I find myself at night / I lie back and start thinking about all the memories come crashing back to me now.

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  • BANDS IN BOILERSUITS

    Ein Einteiler. Er sitzt locker, sowohl langärmlig als auch mit langem Bein. Und ist nicht ganz so fashionable wie ein Jumpsuit – laut Wikipedia. Der Boilersuit! In Nordamerika wird er als verhüllendere Variante des Overalls einfallsreich „Coverall“ genannt. Und dass dieses Kleidungsstück außerhalb einer Hausmeister*innenkluft auch für sexy, charmante und lässige Outfits sorgt, beweist die aktuelle Musikszene.

    Ursprünglich entstand der Boilersuit als Arbeitskleidung für Reperaturen von mit Kohle beheizten – achtung – Boilern. Das wichtigste Feature dieses Outfits war die lückenlose Verbindung von Hose und Jacke, sodass beim Ein- und Ausstieg durch das enge Feuerloch des Kessels ein Hängenbleiben oder Hochrutschen einzelner Teile vermieden wurde. Die beste Voraussetzung, dass ebenfalls bei einem wilden Bühnenauftritt alles an Ort und Stelle bleibt. Denn heute rocken Bands diesen einteiligen Look. Mit Kajal umrahmten Augen, über die Schulter geworfener E-Gitarre oder in kühlem Neonlicht. Doch – who wore it best?

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  • ÜBER UNIVERSITÄTSKINDER UND FAKE TV-SHOWS

    ÜBER UNIVERSITÄTSKINDER UND FAKE TV-SHOWS

    Ein sonniger Tag Mitte März. Die gold-gelben Strahlen fallen durch das große Fenster auf mein Gesicht, während ich auf den Hinterhof blicke. Das Dach gegenüber glitzert im Licht. Und irgendwo aus der Entfernung lässt sich eine lieblich trunkene Melodie vernehmen. Mysteriös und umarmend zugleich. Sie weitet sich aus zu einer Songfolge, die ich in den letzten Tagen so oft gehört habe, dass mich ihr Klang mittlerweile auch ohne Kopfhörer oder Anlage begleitet. Paradigmes der Gruppe La Femme – was für ein wundervolles Album!

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  • WIE ENTDECKEN WIR HEUTZUTAGE MUSIK?

    Was war der letzte Song, den du gefunden hast und vor allem – wie? Wie entdecken wir heutzutage Musik? Und ist das Suchen und Finden von Songs durch Streamingdienste und algorithmische Playlists unemotionaler, unpersönlicher geworden? Welche Rolle spielen dabei Fernsehserien, Konzerte und die Empfehlungen von Freund*innen? Über all das habe ich mich mit der Münchener Musikerin MOLA unterhalten und in dem folgenden Audio-Interview festgehalten

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  • BUCHEMPFEHLUNGEN APRIL 2021

    A ram sam sam! A ram sam sam! Kuni kuni kuni kuni ram sam sam! A ka yéh joopi a ka yéh! A roo a roo a ni ki chi!

    Eine Aneinanderreihung von Silben, die einigen so ähnlich aus einem marokkanischen Kinderlied bekannt sein dürften. Jedenfalls ist es dieses Kinderlied, was zum Refrain von Wordy Rappinghood der Band Tom Tom Club inspiriert hat, wie Chris Frantz in seinem Buch auf Seite 279 beschreibt. „Remain In Love“ ist der Titel der Autobiografie eines Musikers, der nicht nur Gründungsmitglied des Tom Tom Clubs, sondern auch Drummer der Band Talking Heads ist.

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  • DIE IDEOLOGIE AUTHENTISCHER ROCKMUSIK

    DIE IDEOLOGIE AUTHENTISCHER ROCKMUSIK

    „Das alles klingt wie ein britischer Sturm, ein bisschen Pöbeln und eine gewisse Coolness stehen über allem […]. Aber eben so stimmig, dass der Noise-Faktor und die Hektik dieser geladenen Songs den Effekt von Authentizität verstärken.“ – Bedroomdisco 2021

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  • FIKTION: DIE LADY MIT HUT

    „Es war an einem Tag im Winter.“

    „Hat es geschneit?“

    „Unaufhörlich! Knietief ist man im Schnee versunken.“

    „Und war die Luft auch klar vor Kälte?“

    „Ja, es war klirrend, nein bitterkalt.“

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  • DER VERGANGENE, GEGENWÄRTIGE UND ZUKÜNFTIGE WEIHNACHTSSONG

    Wir haben einen Tag vor Heiligabend. Und irgendwie konnte ich es mir dieses Jahr nicht nehmen, eine Weihnachtsplaylist zusammenzustellen. Der Titel heißt weifei (= kurz für weihnachtsfeier). Doch anstatt nur wahllos einige Songs vorzustellen, gibt es heut etwas Besonderes. Zusammen mit den beiden Mädels vom Tschau Kakao Podcast haben wir eine Idee ausgearbeitet, die auf der Charles Dickens‘ Geschichte A Christmas Carol basiert.

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  • DESIGN UND MUSIK

    „Es war immer ein großer Traum von mir, etwas in Verbindung mit Musik zu machen.“ Da er kein Instrument spielte, blieb Sandro Rybak’s Wunsch, in einer Band zu spielen, jedoch unerfüllt. Bis klar wurde, dass man gar nicht musikalisch aktiv sein muss, um seinen Teil zur Musiklandschaft beizutragen. „Und jetzt kann ich mit meinen Designs einer davon sein!“ Denn zu einem Album, einer Band gehört mehr als ein paar Personen mit Instrumenten in der Hand. 

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