Schlagwort: ALBUMGEDANKEN



  • PARCELS LIVE VOL. 1

    PARCELS LIVE VOL. 1

    „Your best day“. That’s what it said in my horoscope. On the day of the announcement, as well as on the release day of the first ever Parcels Live Album. In April the stars were in my favor, one could say. Just when I began to miss all the concerts I should’ve gone to this year, my favorite band released something. An album that makes me forget all the shit days with just one guitar line. That takes me on a voyage through synthesized spaces. That makes my legs move back and forth until the neighbors ring to join the party.

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  • DEMOITIS

    DEMOITIS

    demo-itis. Durch die Nachsilbe -itis klingt es wie eine Krankheit. Infiziert mit einem Hang zur Demoversion des eigenen Songs, der es schwer macht, die finale, sauber aufgenommene Endversion zu akzeptieren. So lange wurde an dem Rohling gefeilt, man hat ihn in den Armen gehalten und gewiegt bis die Augen zufielen und nun soll man ihn wieder abgeben, um nach Monaten die Schuhe überzustreifen? Ein Phänomen, das die Liebe zum Unperfekten, Heimischen, zu Feinheiten oder kleinen Macken bezeichnet.

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  • WUNDERSAM

    WUNDERSAM

    Es fängt an mit einem mittel-zackigen Beat, mit einem Rutsch auf dem Kartoffelsack diese blaue Wellenrutsche hinunter. Direkt in die wolkenlose Kulisse einer Mittwochnachmittags-Seifenoper. Der Bass beobachtet mit Misstrauen die Szene, während Finger über Gitarrensaiten tanzen und eine Stimme aus dem Off dem Geschehen ihre nüchtern-komische Beschreibung anfügt. Bis das Becken dreimal schellt und unter Synthiebeschuss der erste Song und die erste Single vom Wundersam Album langsam ausblendet.

    Melodram ist der Auftakt vom musikalischen Debüt Tim Bohner’s als Timbeau. Einer von acht Tracks, die am 27. November 2020 veröffentlicht wurden. An einem grauen Freitag, der die schwungvollen, süßen Melodien des Albums aufatmend mit jeder Pore aufsaugte wie ein trockener Schwamm die Flüssigkeit. Denn die Musik von Timbeau ist wie eine Erinnerung. Eine schöne, die ich mir partout nicht mehr vor Augen führen kann. Doch das Gefühl von Sonnenschein auf der Haut und Leichtigkeit im Gang ist präsent mit jeder spacigen Melodie und endlosem Raumhall.

    Gleich der zweite Song hüllt mich in einen rauschenden Synthetik-Klang. Wo das Echolot und Metronom den Sound um ein beispielhaftes Piepsen und Klopfen ergänzen, die im Kopf eine Geräuschkulisse bauen, über Keys und Gitarren hinausgehend. Das Bieder im Chorus mutet kurzzeitig wie ein Beat it von Michael Jackson an. An dessen Stelle tritt bald ein verrücktes Lachen und laut ausgesprochene Gedanken. Sonnenstich folgt mit heller Gitarre und einer Bassline, die nach vergangenen Festivalsommern mit Parcels Auftritten sehnen lassen. Ein Wassereis und Sonnencreme. Oder Quark und Tränen. Auf jeden Fall ein Schritt nach dem anderen, während ich mir das Album beim Spaziergang anhöre.

    Wieder diese entfernte Erinnerung, als der nächste Song einsetzt. Wie Orgelpfeifen. Ich spule zurück zum Anfang. Ein langanhaltender, weicher Ton aus einer anderen Galaxie. Bitte, kann dieses Intro die Titelmelodie meiner nächsten Lieblingsserie werden? Ein Flug durch Raum und Zeit. Und da die Traurigkeit.

    Dann der Titelsong. Er fädelt sich wie Zuckerwatte in einer taumelnden Bewegung zu Wolken aus klebrig und zugleich schwebend leichtem Sound auf. Schmeckt wie diese grün gefärbte Zuckerwatte mit Pfefferminzaroma, die ich bei einem Badeurlaub in Ungarn vor zehn Jahren unter flirrender Hitze bei einem kleinen Fahrradstand kaufte. Dann quer über die überfüllte Liegewiese zum ausgebreiteten Handtuch trug, auf dem meine Schwester lag, die lieber eine Watte mit Himbeergeschmack gehabt hätte. 

    Einen Schritt nach dem anderen, während ich mir das Album anhöre. 1, 2, 3 und Walzerschritt. Schlendrian. Die Ampelmenschen tanzen in rot und grün zur Abschlussballmusik. Bevor der träge-schlendernde Rhythmus zu Hummeln und Bienen wird. Zu So schön allein tanzt es sich am besten im verlassenen Zimmer. Ohhhhohoh und die Arme nach oben, beim Konzert würden nun alle klatschen auf 1, 2, 3, 4. Und schon beginnt der letzte Song des Albums, das Timbeau im Zimmer seiner Wohngemeinschaft aufgenommen hat. Ein letztes Souvenir von der Reise durch den Weltraum oder klingelnden Sternen, fernen Galaxien. Eine schöne Erinnerung. 


  • 19€ PLATTENKRITIK

    19€ PLATTENKRITIK

    Ein schöner Samstag zum Spazieren gehen. Für November ist es eigentlich zu mild, durch die weiße Wolkendecke brechen vereinzelt Sonnenstrahlen und wärmen meinen Rücken. Ich hätte mir heut keinen Mantel überwerfen brauchen, Opas ausrangierte Lederjacke hätte es auch getan. Mit großen Schritten laufe ich am Kanalufer entlang, um kurz nach eins ist hier noch nicht so viel los. Fast. Rot-weißes Flatterband und Blaulichter versperren meine übliche Spazier-Route und ich muss Richtung Bergmannkiez ausweichen. 

    Ab und an streife ich auch zwischen den Wohnhäusern entlang und sehe mir vom Bürgersteig aus fremde Balkone an. Während ich die Häuserfassaden der Mittenwalder Straße betrachte, erinnere ich mich, nicht weit von hier einen Plattenladen gesichtet zu haben. Ich meine nicht die Space Hall. Sondern einen kleinen Keller zwei Ecken weiter. Dort hängen bunte Platten als Girlande aufgefädelt vom Eingang zur nächsten Straßenlampe. Schwarze Scheiben zieren die untere Etage des Gebäudes und ein Mann mit runder Brille sitz hinter dem Tresen. Sound Vinyl Store.

    Ich entscheide mich, dem Laden einen Besuch abzustatten. Es ist eh viel zu lang her, als ich das letzte Mal Schallplatten Shoppen war. Und vielleicht ist es wieder an der Zeit, Musik ganz old-school zu entdecken. Bei einem Blick in die erste 4€ Kramkiste weiß ich bereits die Antwort auf diese Frage. Also stelle ich mir einen Stapel zusammen, eine Maxi-Single, einmal ein Griff in die 3€ Hiphop-Kiste und ein Griff in den Surf Rock Stapel, der jedoch wohl nicht als solcher angesehen werden kann, da vermehrt Elvis’ Christmas Album darin auftaucht. 

    Mein Budget habe ich mit 20€ genau getroffen, als der Mann an der Kasse die Preisaufkleber begutachtet und ich halte ihm einen Schein hin. Zu meinem Überraschen zieht er jedoch ein Schubfach seines ramponierten Holztisches auf, in dem neben zerknüllten Zetteln und Brillenetui ein bisschen Kleingeld umherrollt. Er holte eine Münze heraus, „machen wir 19€ draus“. Und schiebt mir meinen Plattenstapel über den Tisch entgegen. Ganz erfreut über meine Ausbeute verabschiede ich mich und mache mich auf den schnellsten Weg nach Hause. Let’s see, ob sich der Kauf auch gelohnt hat.

    Die britische Rockgruppe Transvision Vamp mit ihrem Debütalbum Pop Art. Der Bandname und der Kontrast zwischen schwarzem Albumcover mit pinker Schrift, die sich farblich in den Handschuhen der Sängerin Wendy James wiederfindet war Grund genug für einen Kauf. Genau wie die vielversprechenden Songtitel Trash City, Psychosonic Cindy oder Revolution Baby. Schon beim Auflegen der Scheibe auf den Plattenspieler weiß ich, dass ich nicht enttäuscht werde.

    Computerverzerrte Stimmen leiten das erste Stück ein. „The rules are… There are no rules“ ertönt der ebenfalls auf der Coverrückseite abgebildete Leitspruch des Albums. Im weiteren Verlauf bringen mich schrill-flippiger Gesang, 80s Drums und eine Portion Gitarrenrock zum Tanzen. Sogar der erste Top-Ten-Hit das Quintetts in Lederjacken ist auf dieser Scheibe: I Want Your Love. Das rosafarbene Plattensleeve bildet die Songtexte ab, falls ich mitsingen möchte. Bei der The Kinks Referenz im fünften Stück der A-Seite muss ich schmunzeln. Also Daumen hoch für den ersten Höreindruck.

    Balaam and the Angel mit ihrer Maxi-Single Love Me. Es sind noch drei andere Songs auf der Platte, die in gelber Pappe steckt. Auch hier rankt sich ein pinker Farbkontrast über das Cover. Und wie sich nach den ersten Tönen und einem Blick auf das Aufnahmedatum herausstellt, habe ich auch hier die musikalischen 80er Jahre vor mir. Nicht mit ganz so viel Ohrwurmpotenzial wie bei Transvision Vamp ergießen sich die Klänge. Ein dumpfes Schlagzeug, helle Gitarren an denen der Hall haftet. Der Gesang erscheint, ohne auf die Worte zu achten, entrüstet und etwas düsterer als das Coverdesign vermuten lässt. Ich dachte, ich hätte es mit einer psychedelischen Band zu tun. Jetzt ist es eher eine Inspiration, die Drangsal für Harieschaim hätte nennen können. Wikipedia sagt, das Trio kommt aus Schottland und macht Rockmusik/Glam Metal/Gothic Rock. Auch hierfür gibt es ein Daumen nach oben. 

    Als nächstes habe ich eine deutsche Band auf dem Teller. Mint Addicts, die später nur als The Mint weitermusizieren, und ihr Album naked eyes. Die Augen der Bandmitglieder sieht man auch auf der Rückseite des Plattencovers. Und ohne darauf zu achten, habe ich das dritte Mal nach einem Stück aus den 80ern gegriffen. Wenn ich darüber nachdenke, gibt es auch hier wieder pinke Farbkontraste im Design, vielleicht hat mich mein Unterbewusstsein ein bisschen ausgetrickst. Doch warum ich diese Platte aber eigentlich ausgewählt habe, war die Zuordnung eines Untertitel zu jedem Songnamen. Beispielsweise Psycho III und „help yourself“, Horizon und „it’s not the time for great parties“ (wie wahr) oder Eight Dark Suits und „the velvet gentleman – guess his name“.

    Alles in allem ein stimmiges Album, dessen Ursprung ich nicht in Hannover verortet hätte. Teilweise mit lockeren Melodien, dann dunkler Stimme oder verkrampftem Gesang (bestimmt zum Psycho Song gehörend). Ich werde mir auf jeden Fall noch ein zweites Mal anhören, was Rüdiger, Holger, Emilio und Peter da im Snow Hill Studio aufgenommen haben. Einen Daumen nach oben, und weiter zur nächsten Platte.

    Wer hätte es geahnt. Ich wende mich meinem, nach diesem Plattenkauf beurteilt, Lieblingsjahrzehnt noch nicht ab. Doch aus Rock und Gitarren werden Breakbeats und Hiphop. Rappers Convention mit ihrem selbstbetiteltem Album. Die Erscheinung dieser Platte ist gar nicht mal so schön, doch ich steh’ auf alten 80s Hiphop und das Foto auf der Rückseite des Covers, das zwei Typen und eine Frau in ihrer Mitte abbildet. Und schon beim ersten Song bin ich überzeugt, als der melodiöse Sprechgesang beginnt und doppelt überzeugt, als beim dritten Track das Mädel zu einem stupid freshen“ Beat rappt. Am liebsten würde ich zwei Daumen nach oben für das Album geben. Nach drei Mal Rock, lässt es sich jetzt zu „it’s the wiggle, the wiggle, wiggle wiggle wiggle“ noch besser durch die Stube bouncen. 

    Katrina and the Waves mit ihrem Album Waves. Hier kann ich verraten, dass ich tatsächlich nur 80er Jahre Alben gekauft habe. Dass Katrina and the Waves mit dem Hit Walking on Sunshine berühmt geworden sind, habe ich nicht gewusst. Also bin ich recht überrascht, als eine energiegeladene Frauenstimme zum ersten Stück ansetzt. Direkt von Is That It? gecatcht, zweifle ich direkt an dem Zufall, dass mir bis jetzt alle Blindkäufe gefallen haben.

    Und zack, der zweite Song setzt an und ich muss mit enttäuschen feststellen, dass die Musik sich etwas von meinem Geschmack entfernt. Zu lieblich und Schlager-esk, nicht komplett unhörbar. Aber auch kein Favorit, was habe ich auch bei einem Cover erwartet, wo die Bandmitglieder vor Stranddünen im Hintergrund durch die Luft fliegen. Dafür gibt es nur einen Mittel-Mittel.

    Auf zum letzten guten Stück. Ein selbstbetiteltes Album von der Band B.Sharp. Als ich das Plattencover zum ersten Mal auf die Rückseite drehte und mir von schwarzem Hintergrund der weiße Schatten eines schreienden Typen entgegenblickte, wusste ich, dass ich dieses Stück kaufen muss. Laut Discogs sind B.Sharp eine Rhythm and Blues Gruppe aus Hamburg. Ganz entfernt sagt mir der Name etwas, doch ich kann es keinem Klang zuordnen. Als ich dann beim Auflegen der Scheibe direkt von einer Mundharmonika eingehüllt werde, macht es Sinn. Die Platte ist rockig und die Drums animieren zum Mitwippen. Doch es ist nichts besonderes, kein Funke vorhanden, der mich so richtig packt. Also auch hier nur ein Mittel-Mittel.

    Im Großen und Ganzen bin ich mehr als zufrieden mit meinem Plattenzuwachs. Einige Stücke sind gar nicht auf Spotify verfügbar und wie hätte ich sie sonst entdeckt? Es folgt noch ein Ranking von Platz eins bis sechs nach persönlichem Gefallen der einzelnen Alben (und der Maxi-Single) und die dazugehörige Preisauflistung:

    1. Transvision Vamp – Pop Art (4€)
    2. Rappers Convention – Rappers Convention (3€)
    3. Balaam and the Angel – Love Me (2€)
    4. Mint Addicts – naked eyes (4€)
    5. B.Sharp – B.Sharp (3€)
    6. Katrina and the Waves – Waves (4€)

  • COLBY LAFAYETTE

    COLBY LAFAYETTE

    Wieder einer dieser Künstler, der alle seine Songtitel in capslock schreibt. Obwohl, nicht alle – das Debütalbum 2018 und ein paar einzelne Singles machen mit der Groß- und Kleinschreibung eine Ausnahme. Bis zur COLBY EP 2019. Ein wenig später werden die farbigen Cover durch moody schwarz-weiß Fotos ersetzt, auf denen der Sänger oder viel mehr sein Hinterkopf in Szene gesetzt wird.

    Sieht man etwas mehr als den geschorenen Schädel und die silbernen Ringe im Ohr, dann hat Colby meist ein Streichholz zwischen Zähnen. Das Markenzeichen des fiktionalen Charakters. Colby Lafayette ist das Alter-Ego eines Typen, der nach der Highschool die College-Bewerbung gegen einen Umzug von Boston nach LA eintauschte. Sich dort persönlich und künstlerisch entwickelte. Und dann mit Colby Lafayette den Charakter fand, der all seine Kindheitsträume verkörpert – einen LA Rockstar, der stets lässig auf einem Streichholz kaut.

    Ein bisschen der coole Großstadt-Lucky Luke. Und die Beats ballern schneller als der Schatten der schwarz-weiß Fotografie. All die Übungsstunden haben sich gelohnt. Mit ersten Bands zu Rock und Grunge-Songs, dann auf der 2010er Hiphop-Welle als Songwriter und Produzent im eigenen Kellerstudio. Diese Musikrichtungen spiegeln sich in den aktuellen Releases von Colby wieder.

    Vor kurzem erschien SO BAD. Eine sechs Titel umfassende EP, die gänzlich während der Corona-Quarantäne entstand. Thematisch reflektiert der Künstler seine vergangene Highschoolzeit. Musikalisch ist es ein Schmelztiegel aus Rockelementen und einer hiphoppy Handschrift. Verbeulter Gitarrenklang und rauer Gesang, manchmal so nah, dass er in mich hineinkriecht. Doch immer zwischen melodiösem Sprechgesang, der den Schwung aus seiner Betonung zehrt und einprägsamen Hooks.

    Der Bass wiegt schwer und durchzieht die Songs mit einer bedrohlich- erdrückenden und gleichzeitig spannungsgeladenen Basis. Hier und da füllen Ad-Libs die neblige Atmosphäre, eine dumpfe Bassdrum und klickende Snare. Es entsteht ein Sound, der zu gleichen Teilen kühl-distanziert, innerlich ausgeglichen, zurückgelehnt scheint und doch mit seiner Grobkörnigkeit eine Funken sprühende Reibung erzeugt.

    Wie auf den Pressefotos posiert die Musik von Colby Lafayette monochrom. Die Tiefen düster hervorgehoben, mit einem Streichholz ständig den Zündstoff parat, ein gedankenverlorener Blick in die Ferne. Und vielleicht ist der Charakter Colby Lafayette schon längst mit seinem Schöpfer eins geworden.

    Fotos: choob (1,3), Eric Zeller (2)


  • COMING TO TERMS

    COMING TO TERMS

    In der hinteren Ecke des Regals steht noch ein Glas. Apfelkompott, eingeweckt nach der reichen Ernte im letzten Jahr und aus Früchten, die im eigenen Garten von der Blüte zum grünen Obst gereift sind. Schon das Knacken beim Aufschrauben des Metalldeckels und der Gedanke an die heißen Apfelstückchen, vielleicht mit ein bisschen Zimt bestreut, wärmt an dem sonst ungemütlichen Oktobertag. 

    Dieses Gefühl ist nicht zu vergleichen mit der Hitze eines abgestandenen Luftschwalls, der an kalten Tagen beim Betreten der U-Bahn entgegenrollt. Viel eher sind es letzte kraftvolle Sonnenstrahlen im Herbst, die wärmend bei einem Frühstück auf dem Balkon das rechte Ohr kitzeln. Warmes Apfelkompott ist wie eine feste Umarmung. 

    Oder wie ein Prismala Song.

    Am 9. Oktober folgt nach drei Jahren endlich neue Musik auf das 2017er Debüt Colours of a Summer. Es sind fünf Lieder voller Liebe. Und über die Liebe. Oder den Weg, auf den sie manchmal abbiegt. Die Höhen, die sie mit einem Strauß frischer Blumen besteigt und die Täler, für die nur noch eine welke Blüte übrig bleibt. Doch akzeptiert man das Verblühte, arrangiert sich mit den Ereignissen, kann daraus ebenso etwas Schönes wachsen. Ein Song zum Beispiel, oder eine ganze EP.

    Coming to Terms

    Seit einiger Zeit sammeln Prismala Ideen und Elemente für neue Musik. September 2018, aus den Skizzen entstehen Songs. Ein halbes Jahr später beginnen die Aufnahmen und setzen sich mit Unterbrechungen, die dem Studium geschuldet sind, bis zum September diesen Jahres fort. Im Gegensatz dazu wirkt die Entstehungsphase vom vorigen Album der vierköpfigen Band wie ein Wimpernschlag. Doch was lange währt, wird bekanntlich gut? 

    Stunden zwischen Melodie, Rhythmus und Kabelsalat zu ihren Füßen, die die Band in einem Video dokumentiert, münden in einen atmosphärischen Gesamtklang. Prismala selbst würden diesen als Alternative Soul und Hip Hop beschreiben. Vielleicht haben auch R&B, Rock, ein bisschen Jazz ebenfalls ihren Einfluss hinterlassen. 

    Abgesehen von der Frage nach dem Musikgenre und einem Vergleich mit zimtigem Apfelkompott, hören sich die Songs auf Coming to Terms nach einem flauschigen Klangteppich an, durch den man barfuß Walzer tanzt. Obwohl der Takt das gar nicht angibt. Getragen werden die Melodien von den Rhythmen des Schlagzeugs. Leicht wie ein Blatt, das zu einem Papierflieger gefaltet friedlich durch die Luft segelt. Und an den richtigen Stellen in einen Looping geht, um die Fluglinie und das mitfühlende Kopfnicken hier und da aufzulockern.

    Dann der Gesang. Vom Beginn des ersten Songs an wird man von einer weichen Stimme eingehüllt. Aneinandergereihte Worte verknüpfen sich zu einem fließenden Gewebe. Mit dunkler Klangfarbe, in Sprechgesang, durch dezente Melancholie verziert oder in warmen, melodiösen Passagen. Angenehm sickert der Gesang in den Gehörgang wie die Tinte nach einer geschwungene Handschrift in die Papierfaser.

    Dieses Gerüst aus Schlagzeug und Gesang wird mit angeschlagenen Gitarrenakkorden umspült. Wie eine auslaufende Welle nähert und entfernt sich der rauschend perlende Klang. Manchmal spielt eine Melodie, die als Sonnenstrahl die Wolkendecke durchbricht. Licht, das zu einem Solo aufgewickelt wird und über dunkle Wände zuckt, während es dem Ende eines langen Tunnels entegegenrast. Und hört man genau hin, ranken sich durch die Gitarrenmelodien zuerst unscheinbare Basstöne. An manchen Stellen tauchen sie auf wie ein verlegtes Schmuckstück. Vor allem geben sie dem Hintergrund seine Tiefe.

    Alle Komponenten addiert ergeben einen umarmenden Sound, der beim ersten Song Daffodils für ein familiäres Willkommen sorgt. Über den Klang legt sich im Folgenden bei Heart Theft die Erkenntnis eines Diebstahls, der in keiner Polizeiakte registriert werden kann. Als drittes bietet Jealousy einen lebhaften Groove, der im Gegensatz zur Melodie der Eifersucht hervorragend zum Liebessong oder Song der Liebe(nden) passt.

    In A Soul’s Demand vermischen sich die eigenen Bedürfnisse und Gedanken mit Zweifel, einem Entschluss und auch der Klang schwingt in dezenter Wehmut. Ohne Gitarren, ohne Bass und das Schlagzeug, nur vom Piano begleitet schließt die EP und Peonies ab. Alles Schöne hat auch ein Ende und manchmal lohnt es sich. Eine Intervallfolge baut sich auf und man fiebert mit bis zur finalen Auflösung. Dann verklingt das Lied mit letzten hellen Tönen.

    Foto: Max Herfurth


  • FIEBERTRAUM

    FIEBERTRAUM

    Kennt ihr diese LED Lichtleisten, die auf Knopfdruck in den verschiedensten Farben erstrahlen? Stell dir vor, es ist später Abend und du wählst die rote Taste. Das Zimmer wird in gedimmtes Licht getaucht. Mit einigen leisen Schritten erreichst du deinen Plattenspieler und senkst die Nadel langsam auf das schwarze Vinyl. Der Plattenteller dreht sich. In der rot getünchten Luft hängen düstere Klänge.

    „Eine richtige Mood!“, wie Julius sagen würde.

    Julius kommt aus der Nähe von Hamburg und macht Musik. Unter dem Namen Fiebertraum veröffentlichte er bereits eine selbstbetitelte EP und den Song Labyrinth Lady. Musik, die schranzig klingt und nach lauen Sommerabenden. Als hätte man den Kopf unter Wasser getaucht. Oder wie eine Seite aus dem Fotoalbum, in dem neben gepressten Wiesenblumen ein Fotoabzug vom ersten eigenen Moped und der zerknitterte Kassenzettel einer Packung Eis am Stiel von Aldi klebt.

    Bei einem Dreh für das Pabst Musikvideo zum Song Skyline haben Julius und ich uns das erste Mal getroffen. Einige Wochen später unterhalten wir uns dann per Videoanruf über Lieblingsalben, eine ganz besondere Simpsons-Folge und warum Akustik-Alben eigentlich immer als Sommersoundtrack funktionieren.

    Nicht zu vergessen die roten LEDs! Denn die passen perfekt zur Atmosphäre vom 1982er The Cure Album Pornography. Dementsprechend sind die vier Wände von Julius nicht selten in Rot getaucht, während er das Albumcover mit den drei verschwommenen Gestalten im selben Farbton zwischen den Fingern dreht. Auf die Band hat ihn sein Vater gebracht:

    „Irgendwann bin ich bei meinem Dad im Auto mitgefahren und sollte dann über sein Handy Musik abspielen. Da meinte er, ich solle mal The Cure anmachen. Und ich fand das richtig geil direkt. Gleich nachdem ich wieder zuhause ankam, musste ich mir ein Platte von denen bestellen.“

    Etwas Goth-mäßiges mit ästhetischem Cover-Artwork, darauf sollte Julius‘ Wahl fallen. Begeistert schildert er mir, wie ihn dieses basslastige Album mit den halligen Gitarren und typischem 80er Jahre Drum-Sound in den Bann gezogen hat. Hinzu kommen die düsteren, fast surrealen Texte, die den psychedelischen Gesamteindruck zusammenschnüren. Nur mäßig geeignet als Gutenachtgeschichte, wie Julius eigens erfahren musste:

    „Ich habe das mal zum Einschlafen gehört und dann ganz ganz komisch geträumt.“

    Nicht weniger absonderlich geht es auf In The Aeroplane Over The Sea von Neutral Milk Hotel zu. Ein weiteres essenzielles Album für Julius, „weil es so ein krank gutes Konzeptalbum ist! Eins, das man als Gesamtprodukt sehen muss.“ Ein expressionistisches Kunstwerk in seiner Gänze, wo die abschließenden Zeilen nochmal auf Songs davor zurückkommen. Die Worte, die dem Sänger über die Lippen kommen, sind so emotional aufgeladen, dass es unter die Haut geht. Ebenso die darin formulierten Themen und nach mancher Ansicht – versteckten Botschaften.

    „Es gibt auch einige Verschwörungstheorien zu der Geschichte, die hinter dem Album steckt. Zum Beispiel, dass der Sänger eine Zeitmaschine gebaut und Anne Frank gerettet hat, die jetzt als seine Frau an seiner Seite lebt.“ Vielleicht hat der Versuch, die kryptischen Gedanken hinter dem Song Holland 1945 zu entschlüsseln, diese Vermutungen gesäht.

    Nachdenkliche Stimmung legt sich ebenfalls auf diese Zeile des Titeltracks: „One day we will die and our ashes will fly in the aeroplane over the sea“, die mit einer beflügelten Schwere gut in den Winter passt. Und in den Sommer. „Es ist sowohl ein geiles Sommer- als auch ein geiles Winteralbum.“ Wo wir bei dem Thema wären, was so gut wie immer in die heißen Monate passt:

    „Akustikalben, weil die so leicht und warm sind!“ Da geht auch mal Folk, selbst wenn man das sonst nicht so oft hört. Neil Young zum Beispiel.

    Bevor Julius mit einem weiteren Titel meine ihm gestellte Aufgabe nach drei essential Alben beantwortet, schweifen wir kurz ab. Denn die Wahl für den letzten Platz in dieser Dreisamkeit war nicht ganz so einfach: „Das erste, was mir in den Sinn gekommen ist, war Nirvana. Ich habe vor Jahren eine Show im Fernsehen gesehen. Ich glaube, es war so ein 90er Countdown. Und da sah man Kurt, wie er ‚Hi, I’m Kurt‘ in die Kamera sagt und das fand ich so scheiße cool! Ich wollte so sein wie er und habe dann auch angefangen Nirvana zu hören.“

    Auch die Simpsons-Folge Die wilden 90er hat dazu einen bleibenden Eindruck mit ihrer Parodie auf Nirvana und das Grunge-Movement hinterlassen. Kurzerhand ergreift Julius seine Gitarre und stimmt eine Melodie aus dem Soundtrack dieser Folge an. Die erste, die er auf der Gitarre lernte. Doch der Grund, dieses Instrument überhaupt in die Hand zu nehmen, ist einem anderen Werk zu verdanken: Drive North von swmrs.

    „Ich glaube, ich habe kein Album so oft gehört wie dieses.“

    Das ließ Julius auch Cole, dem Sänger der Band, nach einem Konzert wissen. Dieses Album war lebensverändernd. Nach einer Phase, in der er viel Hip Hop hörte, wandte sich Julius dem Rock zu, lernte Gitarre und schrieb dann seine eigenen Melodien. Das Faszinierende an dem, vom Fidlar Sänger Zac Carper produzierten, Album Drive North ist seine Vielschichtigkeit.

    „Es hat so viele verschiedene Vibes. Da gibt es einerseits die softeren Songs Hannah oder Lose It und auf der anderen Seite stehen dann Songs wie Palm Trees. Oder Harry Dean. Was ich an dem Album so cool finde, ist, dass man reinhört und erst denkt – ok, das ist eine Punkband. Dann kommt ein geiler Rocksong, der auch auf eine Weise in einer zweiten Hook oder mit dem Hinzunehmen einer zweiten Gitarre mit den Zuhörern spielt. Und darauf folgt wiederum Hannah oder Miss Yer Kiss, wo nicht mal wirklich eine Gitarre drin ist.“

    „Dieses Unvorhersehbare finde ich super.“

    Julius‘ Vorliebe für Musik, die verschiedene Richtungen vereint, findet sich auch im Projekt Fiebertraum wieder. Das Spiel mit Schichten, Elementen und Texturen in einem Raum zwischen Hall und Echo. Die Hörer zu überraschen, und auch sich selbst, ist eine Priorität: „Ich habe halt keine Lust, immer nur das Gleiche und das eine zu machen.“

    Die perfekten Worte, um unser Gespräch fürs erste zu schließen. Bevor ich erneut in den rankenden Strukturen der Fiebertraum EP versinke. Und die drei Alben Pornography von The Cure, In The Aeroplane Over The Sea von Neutral Milk Hotel und Drive North von swmrs meine nächsten Stunden musikalisch erfüllen.

    Dieser Text ist auf Grundlage eines Interviews mit Julius von Fiebertraum entstanden. Foto: Leontine Fruck


  • KOPFVERDREHER

    KOPFVERDREHER

    21 sind dazugekommen. twenty one Platten sozusagen. Seit ich dir meine Sammlung vorgestellt habe, ist ein Jahr vergangen. Zeit für ein Update? Definitiv. Hier also ein Text, ganz meinem musikalischen Zuwachs gewidmet. Jedenfalls der ersten Hälfte davon. Geschichten aus einem verrückten Mehr-Schallplatten-Haushalt. Vielleicht auch ein, zwei unnötige, aber fun facts. Und wie die Scheiben auf dem Drehteller mir den Kopf verdreht haben. Lasst uns beginnen:

    Eric Martin

    Ein Flohmarktsonntag. Sonnenschein. Augen, die hinter getönten Gläsern der geschwungenen Sonnenbrille Verkaufstische auf interessante Kuriositäten absuchen. Doch anstatt ein neues Schmuck- oder Kleidungsstück zu sichten, bleibt mein Blick an einem sympathisch wirkenden, jungen Mann hängen.

    Lässig gegen ein schmiedeeisernes Tor gelehnt. Dichtes, schwarzes Haar. Und meine innere Stimme flüstert mir zu: „den nimmst du dir mit nach Hause“. Gesagt, getan. Für zwei Euro stecke ich den hübschen Fund in meinen Jutebeutel. Wer Eric Martin ist und was für Musik er macht, wusste ich nicht. Entscheidend war hier meine Schwäche für Cover, auf denen jemand herumlungert.

    Kaum bin ich zuhause, lasse ich mir den Inhalt der Überraschungstüte auf dem Drehteller präsentieren. Woher kommt mir dieser überaus charakteristische Gesang bekannt vor? Zwei Klicks und Wikipedia. Ich staune nicht schlecht. Eric Martin war also Sänger von Mr. Big. Na, klingelt’s bei To Be With You oder Wild World?

    Doch was mich wirklich aus Latschen haut, steht zwei Absätze weiter unten. Kann das sein? Er war ebenfalls Teil des Power Rangers Orchesters. Seine Stimme begleitet demnach den Theme Song des Films Mighty Morphin Power Rangers. Jetzt werden alte Kindheitserinnerungen geweckt. Hast du damals auch Power Rangers geguckt? Ich war immer gelb.

    Kraków Loves Adana – Songs After the Blue

    Eine Record Release Show in Hamburg. Durchdringender Gesang, der mich seit Tagen nicht mehr losließ. Ein Interview mit der Sängerin des Duos. Und ehe ich mich versah, halte ich das besagte Album schon in den Händen. Nach dem kleinen Konzert und einer Runde Smalltalk.

    Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass die Songs after the blue auf Platte nochmal viel intensiver wirken, als in einer Spotify Playlist. Dementsprechend glücklich bin ich, den Tonträger nun bei mir zu führen, als ich das Molotow verlasse. Mit der Bahn an meiner Station ankomme. Und extra langsam das Fahrrad nach Hause lenke, da ich ohne Tasche oder Fahrradkorb die Platte irgendwie unter meinem Arm balanciere. Hat sich gelohnt.

    Florent Pagny – N’importe Quoi, Je resterai là und B. B. Jerome & The Band Gang – Shock Rock

    Eigentlich war ich mit meiner Mutti nach Berlin gefahren, um ein Outfit für den Abiball auszusuchen. Dass wir da in Plattenläden nicht fündig werden, war uns klar. Und egal. Irgendwann Nähe Prenzlauer Berg kommen wir in ein kleines, verkramtes Geschäft. Es riecht nach Räucherstäbchen und überall stapeln sich kleine Holzkisten, darin wiederum Singles. 20 Cent das Stück. Meine Gelegenheit, mir ein, zwei Platten mit besonders ansprechendem Cover nach Hause zu nehmen und mich später über kuriose Musik zu amüsieren.

    Ich entschied, da ich meine Französischkenntnisse gern durch Songtexte aufbessere, dass mich Versionen frankophoner Lieder nach Hause begleiten sollen. Einige in dem gequetschten Haufen an Vinyl entdeckt, fiel meine Wahl wieder auf Herumlungerer, die mir von der Hülle entgegenblickten.

    Einmal Florent Pagny in seiner Lederjacke. Ich tippe auf französischen Schlager und habe damit nicht unrecht. Doch da er auf der Frontseite als „Die Nr. 1 aus Frankreich“ deklariert wird ist das gute Stück gekauft. Als zweites fallen mir B. B. Jerome & The Bang Gang ins Auge. Shock Rock. A-Seite auf englisch. B auf französisch. Das Lied hat es mir tatsächlich angetan, schwingend hüpfe ich durch die Wohnung. Das Video dazu macht die Sache noch besser. Guck’s dir bitte an. Yeeah. Hey you! Shock! Shock Rock! Na, Ohrwurm?

    Arctic Monkeys Tranquility Base Hotel & Casino

    Ein Album, das die Gemüter spaltet. Mir jedoch außerordentlich gefällt. Nicht nur das Ambiente, auch die Texte. Verworren beim ersten Hören, bildlich und doch wieder nicht. Weil ich nach den Abiturprüfungen gefühlt jeden zweiten Tag in Berlin verbrachte, fuhr ich auch an dem Tag des Arctic Monkeys Albumkaufs in die Hauptstadt. Zu diesem sogenannten „Pop Up Store“.

    Ein kleiner Tisch mit Fanartikeln steht neben irgendeiner Rezeption eines Gebäudes. Was war es genau, Hotel, Einkaufszentrum, Bar? In der Bar kam ich als erstes raus, nachdem ich den falschen Fahrstuhl genommen hatte. Zu blöd, von hier aus sah man nur die Affen des Berliner Zoos. Irgendwie hatte ich mir diese „Pop Up Store“-Sache spektakulärer vorgestellt.

    Die Aufmachung der Platte ist zum Glück um einiges ästhetischer als mein Einkaufserlebnis. Goldfarbenes Vinyl in schwarzen Sleeves. Ein Albumheftchen mit Fotos. Und Lyrics, die auf durchscheinendes Butterbrotpapier gedruckt sind. Hui.

    Drangsal – Zores

    Vom Arctic Monkeys Pop Up Store zur S-Bahn. Vom Zoo zur Friedrichstraße. In den Dussmann. Denn dort gibt Max Gruber eine Akustik Session zum neuen Album Zores. Doch schon als ich das Kulturkaufhaus betrete, ahne ich nichts Gutes. Die Besucher*Innen sind so zahlreich erschienen, dass nicht allen ein Platz vor der Bühne sicher ist. Und wie ich mein Glück kenne, ja genau, bleibe ich vor verschlossener Tür? 

    Ganz so war es nicht. Zuschauer*innen, die es aufgrund Platzmangels nicht in die untere Etage zum Ort des Geschehens geschafft hatten, wurden am Treppenabsatz zu Zuhörer*innen. Ohne den Mund vor sich zu haben, dem die süßen Melodien entrinnen, treffen die Töne doch ungefiltert mein Ohr.

    Ach, und später traf Drangsal noch all die ausdauernden Fans. Für ein Foto. Und eine Signatur auf dem Plattencover. Dort habe ich auch meine Scheibe ergattert. Dass ein falsch geschriebener Name mit durchkreuztem H darauf prangt, verzeih ich. Wie sowas immer zustande kommt? Ganz einfach:

    Ich (extra deutlich): Für Annekatrin, bitte.

    Drangsal: Oh, das musst du mir buchstabieren, ich möchte nichts falsch schreiben.

    Ich: Ok, kein Problem. Also erstmal Anne, wie Anne- 

    Drangsal (der im Eifer des Gefechts schon den gesamten Namen geschrieben hat): -ah, und dann Kathrin, wie Kathrin-

    Ich: -aber ohne H

    Drangsal (ärgert sich): Ach scheiße.

    Tja und dann tat er mir leid, sodass ich nicht noch sagen konnte, dass der Bindestrich ebenfalls inkorrekt ist.

    FYE & FENNEK – Separate Together

    Diese Platte lag eines schönen Sommertages in meinem Briefkasten. Wie passend, da ich gerade während meiner Social Media Diät dem digitalen Leben zum Teil den Rücken gekehrt hatte. Dementsprechend freue ich mich riesig über Paket und Briefchen, sowie deren Inhalt.

    Abends auf meinem Zimmer hockend, setze ich langsam die Nadel auf das hellgrau durchscheinende Vinyl. Und nehme mir Zeit, nicht nur die Musik, sondern auch die äußere Erscheinung wertzuschätzen. Ein glänzendes Gatefold Cover, Außen sowie Innen mit feinsinniger Fotografie bedruckt, die das Duo abbildet. Und ein quadratisches Blatt, das, einem Beipackzettel ähnlich, Worte aneinanderreiht und die Inhalte beschreibt.

    Sam Fender – Play God, Greasy Spoon

    Ziemlich spontan war ich auf dem Konzert von Sam Fender im April 18. Das ging noch, weil nicht jeder Auftritt gleich ratzfatz ausverkauft war, wie es jetzt der Fall ist. Der Club war gut besucht, jedoch nicht überfüllt. Und mit den ersten Töne wurde ich bereits zum Fender Fan. Dass der Sänger nach seiner Show persönlich beim Merch auftauchte, hat mich ziemlich umgehauen.

    Dort gab es unter anderem die sehr ästhetischen weißen Platten als Singles. Einmal Play God und Greasy Spoon auf einer Scheibe, sowie Millenial und Start Again. Oha, wie sollte ich mich da entscheiden? In der Aufregung wählte ich erstere. Ziemlich dämlich. Ich hätte einfach beide nehmen sollen. Denn hübsch signiert macht die ganz schön was her im Regal. 

    Ebenso wie die unterschriebene Setlist. Hier diesmal nur „Anne“, das war einfacher. Anscheinend war ich trotz dessen mit meiner Kommunikation nicht ganz deutlich. Da auf einmal neben meinem Namen auch „get well soon“ stand. Doch das einzige, was an diesem Abend sick war, war der Auftritt des englischen Künstlers. Naja, immerhin steht’s nicht auf der Platte.

    The Strypes – Spitting Image

    Mittlerweile hat sich das irische Quartett aufgelöst. Heißt das, die unterschriebene Platte gewinnt nun an Wert? Wie dem auch sei. Bei ihrer Europatour Anfang letzten Jahres durfte ich einen fetzigen Auftritt in Berlin miterleben. Schweißgebadet und euphorisch geht es zum Merchtisch. Für ein kleines Souvenir.

    Letztendlich hielt ich ein T-Shirt in der Hand, als die Bandmitglieder der Reihe nach am Verkaufstresen aufschlugen. Gleich wurden ihnen begeistert Platten und CDs entgegengereckt. Also doch eine Platte. Rein aus Affekt kaufe ich die LP, um diese bisher kaum zu hören (was ich ändern sollte). Und ließ sie mir unterschreiben. Für Video-Footage dazu folge diesem Link, mit etwas Glück erhaschst du vielleicht die Millisekunde, in der ich und meine frisch erworbene Platte zu sehen sind.

    Simon & Garfunkel – Greatest Hits

    Während der Recherche für einen Vortrag in Geschichte hat meine Mutti diese Platte entstaubt und vom Dachboden geholt. Musik in der DDR war das Thema. Simon und Garfunkel, die allererste Schallplatte meiner Mutti. Und dann noch eine der raren Lizenzplatten.

    Zum Glück kannte meine Oma die Verkäuferin des Musikladens, die ihr die Platte verkauft hatte. Vorteilhaft für „Geschäfte unterm Ladentisch“. Das trifft es auch in dem Sinne ziemlich gut, da meine Oma keine Ahnung hatte, wer Simon & Garfunkel waren. Ein Blindkauf. Die Schallplatte war gerade da und wurde dann „einfach mitgenommen“. So wie ich sie dann einfach mal mit in meine Sammlung genommen habe..