Schlagwort: PLATTENKISTE


  • EIN LIEBESINTERVIEW: DAVID UND SEINE PLATTENSAMMLUNG

    EIN LIEBESINTERVIEW: DAVID UND SEINE PLATTENSAMMLUNG

    Ein Gastbeitrag von David:

    P: Guten Morgen, gut geschlafen?

    D: Danke der Nachfrage. Sehr gut. Und selber?

    P: Wie ein Stein. Hab‘ mich kaum bewegt. Mit welcher Platte willst du in den Tag starten?

    D: Gute Frage… *fängt an sich vors Regal zu hocken und zu schauen*

    P: Na, sind es etwa zu viele?

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  • 33 RUNDEN (AUF 12 ZOLL)

    33 RUNDEN (AUF 12 ZOLL)

    Ein Gastbeitrag von Mar:

    Hallo, mein Name ist Mar und ich sammle Schallplatten. Okay zugegeben, das ist natürlich nicht alles, was ich tue, aber es macht schon einen großen Teil meines Lebens aus. Denn: Musik ist meine große Liebe. Eigentlich höre ich immer Musik, außer wenn ich schlafe oder arbeite. Eine Freundin sagte mal zu mir, ich würde Musik atmen und ich finde, das trifft es schon ganz gut. 

    Meine Liebe zu Schallplatten bzw. meine Faszination für diese Art Tonträger hat sich eigentlich schon sehr früh herauskristallisiert. Meine Eltern haben mit mir viele Märchenplatten gehört und ich saß immer mit großen und leuchtenden Augen da, wenn Papa seine Platten vorsichtig aus der Hülle nahm und auflegte. Er hat übrigens immer noch den gleichen Plattenspieler, der nach wie vor reibungslos funktioniert, nur viel seltener in Betrieb ist. 

    Platten haben mich auch von der Haptik her immer deutlich mehr interessiert als CDs. Mein erster eigener Discman war dennoch eines der besten Geschenke, die ich je bekommen habe. Es gab keinen Tag, an dem ich ihn nicht mit in der Schule dabei hatte, um auf dem Weg und in Pausen Musik zu hören bis zu meinem ersten MP3-Player der genau 256 MB Speicherplatz hatte. Und auch wenn der Fortschritt der Technik mich diesbezüglich immer noch täglich auf dem Smartphone und mit Spotify begleitet, ist die Schallplatte nach wie vor mein liebster Tonträger. 

    Für mich hat das Hören von Schallplatten immer etwas sehr Aktives, Bewusstes und Entschleunigendes. Anders als bei CDs oder digitaler Musik gibt es keine Möglichkeit, einfach so auf Knopfdruck einen Song zu skippen. Außerdem wirken die Cover auch deutlich beeindruckender im Vergleich zur CD. Allein aufgrund ihrer Größe. Mit Schallplatten verbinde ich auch ein Gefühl von Gemütlichkeit.

    Die Entscheidung, welche Platte ich auflege, treffe ich deutlich bewusster als die, welche Playlist ich höre. CDs kaufe ich, wenn überhaupt nur noch, um sie zu verschenken. Für mich selbst hat der Datenträger mittlerweile überhaupt keine Bedeutung mehr.

    Seit gut sieben Jahren sammle ich nun Schallplatten und aktuell besitze ich um die 335. Neue Veröffentlichungen kaufe ich generell auf Vinyl. Wird ein Album nicht auf Platte veröffentlicht, dann kaufe ich es digital, bevorzugt über Bandcamp. Vor allem, weil ich mit meinem Musikkonsum natürlich auch die Bands und Künstler_innen unterstützen will.

    Musik zu besitzen ist ein Privileg, welches ich sehr schätze und dessen ich mir auch sehr bewusst bin. Spotify bietet vor allem Zugang zu einer unendlich großen Musikbibliothek, die es mir ermöglicht meinen musikalischen Horizont stetig zu erweitern und somit neue Bands, Alben und Songs für mich zu entdecken. Wenn mir gefällt, was ich höre, dann wandert es früher oder später definitiv auch in physischer Form in meinen Plattenschrank. 

    Ordnungssysteme

    Wie behält eins bei einer steigenden Anzahl von über 300 Platten den Überblick, fragst du dich vielleicht. Nun, das ist eigentlich ganz einfach: Ich arbeite im Bibliothekswesen und auch meine Platten sind überwiegend nach bibliothekarischen Regeln sortiert. Ich würde sogar behaupten, dass mein Plattenschrank der ordentlichste Bereich meiner Wohnung ist. 

    Im ersten Schritt unterteile ich nach Format, weshalb LPs (12″), EPs (10″) und Singles (7″) getrennt stehen. Innerhalb jeder Formatgruppe ordne ich alphabetisch nach Interpret_innen. Nach bibliothekarischem Regelwerk bedeutet das, dass Die Nerven unter N zu finden sind, genau wie auch das Album von Billy Nomates. Weder Artikel noch Vornamen (selbst bei Pseudonymen) werden in die Sortierung einbezogen.

    Die einzelnen Veröffentlichungen von Bands/Künstler_innen sind chronologisch sortiert. Sampler stelle ich entweder zu den Künstler_innen, wegen denen ich sie gekauft habe oder sie werden unter dem ersten Buchstaben des Titels einsortiert. Songs That Saved My Life steht also unter S und Von Heimat kann man hier nicht sprechen unter V. Der Harbinger Sound Sampler steht jedoch bei K – hinter Karies. 

    Wenn ich gefragt werde, ob ich eine bestimmte Platte besitze, kann ich allerdings auch antworten ohne nachschauen oder überlegen zu müssen. Jede einzelne Veröffentlichung und/oder Pressung meiner Sammlung aufzuzählen wäre hingegen eine größere Herausforderung. Discogs ist natürlich auch eine Hilfe. Auf der Plattform kann eins nicht nur Platten kaufen und verkaufen, sondern auch die eigene Sammlung katalogisieren, was ich tatsächlich auch sehr gewissenhaft mache. 

    Die erste selbstgekaufte Schallplatte

    Ich war glaube ich ca. 16 Jahre alt, als ich mein Taschengeld eines gesamten Monats für Californication von den Red Hot Chili Peppers ausgegeben habe. Weil ich das Album sehr mochte und weil ich das Cover auch unfassbar faszinierend fand, was auf LP Größe nochmal deutlich beeindruckender war. Es ist dem Cover mittlerweile auch deutlich anzusehen, dass sie mich nun schon mein halbes Leben begleitet. 

    Die wertvollste Platte in meiner Sammlung

    Wert lässt sich auf verschiedene Arten definieren. 

    Die emotional wertvollste ist für mich definitiv Der Traumzauberbaum. Die Amiga Pressung von 1983. Also eine Platte, die älter ist als ich, die meine Kindheit maßgeblich geprägt hat, die ich immer noch gerne höre, bei der ich jedes einzelne Lied mitsingen und alle Dialoge mitsprechen kann. Mein Papa hat sie mir zum Einzug in die erste eigene Wohnung aus seiner Sammlung vermacht und ich hüte sie wie einen Schatz.

    Die seltenste und damit auch tatsächlich finanziell gesehen wertvollste Platte in meiner Sammlung ist die Sommerzeit Traurigkeit 7″ von die Nerven. Ein Cover von Summertime Sadness von Lana del Rey. Es gibt sie nur 30 mal. Sie war ein Geschenk, das mich sehr zu Tränen gerührt und meine Die Nerven-Sammlung vervollständigt hat. 

    Live-Alben

    An Live-Alben scheiden sich auch die Geister. Die einen finden sie gut, andere vielleicht eher überflüssig. Für mich war der Kauf von Live-Alben bisher vor allem ein Weg, die Sammlungen einzelner Bands zu vervollständigen. Aufgelegt habe ich sie bisher nur sehr selten. Es gab eigentlich nur eines, das ich wirklich regelmäßig gehört habe. Aber dieses Jahr ist alles anders.

    Gerade in Zeiten von Corona ist es mir besonders wichtig Musiker_innen und Bands mit dem Kauf ihrer Musik, egal ob Live oder im Studio aufgenommen, zu unterstützen. 

    Wem fehlen sie nicht, die Liveshows der Lieblingsbands, das Gefühl von Extase, Freiheit und Glück. Ich habe im Laufe diesen Jahres tatsächlich häufiger zu Live Alben gegriffen, wenn ich Platten aufgelegt habe. Sie können ein echtes Konzert natürlich keinesfalls ersetzen, aber zumindest kurzzeitig die Atmosphäre andeuten, die sonst in den großen und kleinen Clubs des Landes herrscht. Ich war ganz froh, eine gewisse Auswahl an Live Aufnahmen zur Hand zu haben. Unter anderem von Beatsteaks, Foo Fighters, Gisbert zu Knyphausen, Die Nerven, Talking Heads und relativ neu auch von Dream Wife.

    Der letzte Neuzugang

    Mit der neuesten Platte in meiner Sammlung ist auch gleich ein neuer Künstler in meinen Plattenschrank gezogen. Wundersam, das Debüt von Timbeau ist super groovy, unfassbar tanzbar. Ein Album das viele Themen anspricht, aber vor allem auch einen guten Angriff auf meine schlechte Laune darstellt. Es fühlt sich außerdem sehr gut aufgehoben zwischen Talking Heads und Tocotronic. 

    Female is not a genre // Diversity

    Wie oft muss eins unter Youtube Videos von Bands, die all female bzw non male sind, Kommentare wie „I don’t listen to Girlbands“ oder „They are good – for girls“ lesen. Erste lesen sich, als würde jemand sagen „Also NE mit VOLKSMUSIK kann ich ja so gar nichts anfangen!“ Female is not a genre! Der Vergleich ist also mehr als nur schlecht. Es gibt Genreübergreifend viele tolle Bands mit starken Front-Frauen, & -Personen. Es gibt fantastische Schlagzeuger_innen, Bassist_innen, Gitarrist_innen, Musiker_innen. Frauen & nicht-männliche Personen sind nicht nur Sänger_innen von Bands, die ansonsten komplett (cis) männlich besetzt sind.

    Und auch wenn wir auf einem guten Weg sind, werden Musiker_innen, die nicht (cis) männlich sind nach wie vor benachteiligt, von oben herab oder gar so behandelt, als könnten sie ja eh keine Ahnung davon haben, was genau sie eigentlich tun wenn es um Instrumente und Technik geht. 

    Männerbands (Wer Girlbands sagt muss auch Boybands sagen!) sind immer noch viel präsenter und bekommen größere Bühnen und Plattformen geboten. Wer das nicht glaubt, braucht sich doch nur einmal die Line-Ups großer Festivals der vergangenen Jahre anzuschauen. Da reicht ein Blick, um das starke Ungleichgewicht wahrzunehmen. Das liegt übrigens so ganz und gar nicht daran, dass es keine Bands gäbe, in denen Männer gar keine Rolle, oder eben in diesem Fall – Instrumente –  spielen. Es liegt an struktureller Benachteiligung, wie in (fast) allen anderen Bereichen der Gesellschaft auch. Wer auf der Suche ist, wird auch fündig, muss sich aber selbst mehr dafür ins Zeug legen, leider. Und auch hier sind Streamingdienste, Schwarmintelligenz in Form von Playlisten und Empfehlungen von Vorteil, aber in meinem Empfinden noch lange nicht genug. 

    Und auch in meinen Plattenschrank herrscht nach wie vor ein ziemliches Ungleichgewicht, das muss ich leider zugeben. Es gibt noch einiges zu tun, für die Industrie, Booker_innen, die Gesellschaft und jede_n Einzelne_n von uns.

    Ich habe dieses Jahr erstmals in einer Statistik erfasst, ob die Bands, deren Platten ich gekauft/geschenkt bekommen habe „all male“/“gemischt“/“non male“ sind. Ich habe einen stärkeren Fokus darauf gelegt Bands und Künstler_innen zu unterstützen, die eben nicht ALL MALE besetzt sind und dennoch führt diese Kategorie das Rennen an (Schönen Dank auch, Tocotronic!!!).

    Zeitgleich habe ich aber auch viel tolle neue Musik für mich entdeckt, die in die Kategorie „non male“ fällt und aus der auch einige in den Plattenschrank eingezogen sind: Julien Baker, Bleached, Dives, Georgia Maq (Sängerin & Gitarristin von Camp Cope) und Wilhelmine, um nur einmal ein paar Beispiele zu nennen. Außerdem gab es in diesem Jahr auch neue Alben von u.a. Muncie Girls, Dream Wife, Haim und Martha Rose. 

    Leidenschaft besiegt Vernunft

    Als ich anfing Platten zu kaufen, war ich der festen Überzeugung, ich bräuchte definitiv nicht mehr als eine Pressung pro Veröffentlichung in meinem Plattenschrank. Aber wie heißt es so schön? Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Bei meinem Lieblingsalbum von Die Nerven, das 2014 erschienene FUN, komme ich mittlerweile auf 3 verschiedene Pressungen/Versionen. Dazu sollte vielleicht erwähnt sein, dass sie sich im Cover und/oder der Vinyl-Farbe unterscheiden. 

    Diejenigen, die sich ein wenig mit Schallplatten auskennen, wissen, dass schwarzes Vinyl zwar immer noch überwiegend der Standard ist. Es gibt aber längst die unterschiedlichsten Farben, zum Teil auch in einer Platte. Und wenn jede Nachpressung in andersfarbigem Vinyl herausgebracht wird, kann eins eben doch auch mal schwach werden. Gerade bei Alben, die eins sehr liebt. 

    Generell versuche ich meinem Herzen zu folgen, gerade auch was die Anschaffung von Platten angeht. Gerade weil Musik eine unendliche Quelle ist, weil es immer und immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Das ist vielleicht auch etwas, was Musik für mich so unfassbar faszinierend macht. Ich empfinde jede neue Platte, jede neue Band und Künstler_in als eine Bereicherung. Nicht nur für meine Plattensammlung sondern mein Leben allgemein. Wenn Musik es schafft mich zu berühren oder zu bewegen, ist es ganz egal, welchem Genre sie zuzuordnen ist. Ich lege mich da nicht fest, warum auch? Damit würde ich mich ja nur selbst limitieren. 

    Ein Song der groovy Basslines hat geht mir aber schon deutlich schneller ins Ohr und die Beine, was vielleicht auch daran liegt, dass ich selbst Bass spiele und das Instrument, warum auch immer, so underrated ist. Aber ich schweife ab, darum soll es ja hier gar nicht gehen. 

    Ich bin ein Mensch, der Musik sehr bewusst konsumiert. Ein Mensch, der weiß, wie viel (mehr) Arbeit in einem Song steckt, der uns vielleicht nur 4 Minuten begleitet. Ein Mensch der wertschätzt, was im Verborgenen passiert, lange bevor wir die Alben, EPs und Singles in den Händen halten & die Songs in den Ohren haben. Für mich trifft all diese Arbeit an Musik, Artwork und Veröffentlichung haptisch am schönsten bei Schallplatten aufeinander. 


  • 19€ PLATTENKRITIK

    19€ PLATTENKRITIK

    Ein schöner Samstag zum Spazieren gehen. Für November ist es eigentlich zu mild, durch die weiße Wolkendecke brechen vereinzelt Sonnenstrahlen und wärmen meinen Rücken. Ich hätte mir heut keinen Mantel überwerfen brauchen, Opas ausrangierte Lederjacke hätte es auch getan. Mit großen Schritten laufe ich am Kanalufer entlang, um kurz nach eins ist hier noch nicht so viel los. Fast. Rot-weißes Flatterband und Blaulichter versperren meine übliche Spazier-Route und ich muss Richtung Bergmannkiez ausweichen. 

    Ab und an streife ich auch zwischen den Wohnhäusern entlang und sehe mir vom Bürgersteig aus fremde Balkone an. Während ich die Häuserfassaden der Mittenwalder Straße betrachte, erinnere ich mich, nicht weit von hier einen Plattenladen gesichtet zu haben. Ich meine nicht die Space Hall. Sondern einen kleinen Keller zwei Ecken weiter. Dort hängen bunte Platten als Girlande aufgefädelt vom Eingang zur nächsten Straßenlampe. Schwarze Scheiben zieren die untere Etage des Gebäudes und ein Mann mit runder Brille sitz hinter dem Tresen. Sound Vinyl Store.

    Ich entscheide mich, dem Laden einen Besuch abzustatten. Es ist eh viel zu lang her, als ich das letzte Mal Schallplatten Shoppen war. Und vielleicht ist es wieder an der Zeit, Musik ganz old-school zu entdecken. Bei einem Blick in die erste 4€ Kramkiste weiß ich bereits die Antwort auf diese Frage. Also stelle ich mir einen Stapel zusammen, eine Maxi-Single, einmal ein Griff in die 3€ Hiphop-Kiste und ein Griff in den Surf Rock Stapel, der jedoch wohl nicht als solcher angesehen werden kann, da vermehrt Elvis’ Christmas Album darin auftaucht. 

    Mein Budget habe ich mit 20€ genau getroffen, als der Mann an der Kasse die Preisaufkleber begutachtet und ich halte ihm einen Schein hin. Zu meinem Überraschen zieht er jedoch ein Schubfach seines ramponierten Holztisches auf, in dem neben zerknüllten Zetteln und Brillenetui ein bisschen Kleingeld umherrollt. Er holte eine Münze heraus, „machen wir 19€ draus“. Und schiebt mir meinen Plattenstapel über den Tisch entgegen. Ganz erfreut über meine Ausbeute verabschiede ich mich und mache mich auf den schnellsten Weg nach Hause. Let’s see, ob sich der Kauf auch gelohnt hat.

    Die britische Rockgruppe Transvision Vamp mit ihrem Debütalbum Pop Art. Der Bandname und der Kontrast zwischen schwarzem Albumcover mit pinker Schrift, die sich farblich in den Handschuhen der Sängerin Wendy James wiederfindet war Grund genug für einen Kauf. Genau wie die vielversprechenden Songtitel Trash City, Psychosonic Cindy oder Revolution Baby. Schon beim Auflegen der Scheibe auf den Plattenspieler weiß ich, dass ich nicht enttäuscht werde.

    Computerverzerrte Stimmen leiten das erste Stück ein. „The rules are… There are no rules“ ertönt der ebenfalls auf der Coverrückseite abgebildete Leitspruch des Albums. Im weiteren Verlauf bringen mich schrill-flippiger Gesang, 80s Drums und eine Portion Gitarrenrock zum Tanzen. Sogar der erste Top-Ten-Hit das Quintetts in Lederjacken ist auf dieser Scheibe: I Want Your Love. Das rosafarbene Plattensleeve bildet die Songtexte ab, falls ich mitsingen möchte. Bei der The Kinks Referenz im fünften Stück der A-Seite muss ich schmunzeln. Also Daumen hoch für den ersten Höreindruck.

    Balaam and the Angel mit ihrer Maxi-Single Love Me. Es sind noch drei andere Songs auf der Platte, die in gelber Pappe steckt. Auch hier rankt sich ein pinker Farbkontrast über das Cover. Und wie sich nach den ersten Tönen und einem Blick auf das Aufnahmedatum herausstellt, habe ich auch hier die musikalischen 80er Jahre vor mir. Nicht mit ganz so viel Ohrwurmpotenzial wie bei Transvision Vamp ergießen sich die Klänge. Ein dumpfes Schlagzeug, helle Gitarren an denen der Hall haftet. Der Gesang erscheint, ohne auf die Worte zu achten, entrüstet und etwas düsterer als das Coverdesign vermuten lässt. Ich dachte, ich hätte es mit einer psychedelischen Band zu tun. Jetzt ist es eher eine Inspiration, die Drangsal für Harieschaim hätte nennen können. Wikipedia sagt, das Trio kommt aus Schottland und macht Rockmusik/Glam Metal/Gothic Rock. Auch hierfür gibt es ein Daumen nach oben. 

    Als nächstes habe ich eine deutsche Band auf dem Teller. Mint Addicts, die später nur als The Mint weitermusizieren, und ihr Album naked eyes. Die Augen der Bandmitglieder sieht man auch auf der Rückseite des Plattencovers. Und ohne darauf zu achten, habe ich das dritte Mal nach einem Stück aus den 80ern gegriffen. Wenn ich darüber nachdenke, gibt es auch hier wieder pinke Farbkontraste im Design, vielleicht hat mich mein Unterbewusstsein ein bisschen ausgetrickst. Doch warum ich diese Platte aber eigentlich ausgewählt habe, war die Zuordnung eines Untertitel zu jedem Songnamen. Beispielsweise Psycho III und „help yourself“, Horizon und „it’s not the time for great parties“ (wie wahr) oder Eight Dark Suits und „the velvet gentleman – guess his name“.

    Alles in allem ein stimmiges Album, dessen Ursprung ich nicht in Hannover verortet hätte. Teilweise mit lockeren Melodien, dann dunkler Stimme oder verkrampftem Gesang (bestimmt zum Psycho Song gehörend). Ich werde mir auf jeden Fall noch ein zweites Mal anhören, was Rüdiger, Holger, Emilio und Peter da im Snow Hill Studio aufgenommen haben. Einen Daumen nach oben, und weiter zur nächsten Platte.

    Wer hätte es geahnt. Ich wende mich meinem, nach diesem Plattenkauf beurteilt, Lieblingsjahrzehnt noch nicht ab. Doch aus Rock und Gitarren werden Breakbeats und Hiphop. Rappers Convention mit ihrem selbstbetiteltem Album. Die Erscheinung dieser Platte ist gar nicht mal so schön, doch ich steh’ auf alten 80s Hiphop und das Foto auf der Rückseite des Covers, das zwei Typen und eine Frau in ihrer Mitte abbildet. Und schon beim ersten Song bin ich überzeugt, als der melodiöse Sprechgesang beginnt und doppelt überzeugt, als beim dritten Track das Mädel zu einem stupid freshen“ Beat rappt. Am liebsten würde ich zwei Daumen nach oben für das Album geben. Nach drei Mal Rock, lässt es sich jetzt zu „it’s the wiggle, the wiggle, wiggle wiggle wiggle“ noch besser durch die Stube bouncen. 

    Katrina and the Waves mit ihrem Album Waves. Hier kann ich verraten, dass ich tatsächlich nur 80er Jahre Alben gekauft habe. Dass Katrina and the Waves mit dem Hit Walking on Sunshine berühmt geworden sind, habe ich nicht gewusst. Also bin ich recht überrascht, als eine energiegeladene Frauenstimme zum ersten Stück ansetzt. Direkt von Is That It? gecatcht, zweifle ich direkt an dem Zufall, dass mir bis jetzt alle Blindkäufe gefallen haben.

    Und zack, der zweite Song setzt an und ich muss mit enttäuschen feststellen, dass die Musik sich etwas von meinem Geschmack entfernt. Zu lieblich und Schlager-esk, nicht komplett unhörbar. Aber auch kein Favorit, was habe ich auch bei einem Cover erwartet, wo die Bandmitglieder vor Stranddünen im Hintergrund durch die Luft fliegen. Dafür gibt es nur einen Mittel-Mittel.

    Auf zum letzten guten Stück. Ein selbstbetiteltes Album von der Band B.Sharp. Als ich das Plattencover zum ersten Mal auf die Rückseite drehte und mir von schwarzem Hintergrund der weiße Schatten eines schreienden Typen entgegenblickte, wusste ich, dass ich dieses Stück kaufen muss. Laut Discogs sind B.Sharp eine Rhythm and Blues Gruppe aus Hamburg. Ganz entfernt sagt mir der Name etwas, doch ich kann es keinem Klang zuordnen. Als ich dann beim Auflegen der Scheibe direkt von einer Mundharmonika eingehüllt werde, macht es Sinn. Die Platte ist rockig und die Drums animieren zum Mitwippen. Doch es ist nichts besonderes, kein Funke vorhanden, der mich so richtig packt. Also auch hier nur ein Mittel-Mittel.

    Im Großen und Ganzen bin ich mehr als zufrieden mit meinem Plattenzuwachs. Einige Stücke sind gar nicht auf Spotify verfügbar und wie hätte ich sie sonst entdeckt? Es folgt noch ein Ranking von Platz eins bis sechs nach persönlichem Gefallen der einzelnen Alben (und der Maxi-Single) und die dazugehörige Preisauflistung:

    1. Transvision Vamp – Pop Art (4€)
    2. Rappers Convention – Rappers Convention (3€)
    3. Balaam and the Angel – Love Me (2€)
    4. Mint Addicts – naked eyes (4€)
    5. B.Sharp – B.Sharp (3€)
    6. Katrina and the Waves – Waves (4€)

  • KOPFVERDREHER

    KOPFVERDREHER

    21 sind dazugekommen. twenty one Platten sozusagen. Seit ich dir meine Sammlung vorgestellt habe, ist ein Jahr vergangen. Zeit für ein Update? Definitiv. Hier also ein Text, ganz meinem musikalischen Zuwachs gewidmet. Jedenfalls der ersten Hälfte davon. Geschichten aus einem verrückten Mehr-Schallplatten-Haushalt. Vielleicht auch ein, zwei unnötige, aber fun facts. Und wie die Scheiben auf dem Drehteller mir den Kopf verdreht haben. Lasst uns beginnen:

    Eric Martin

    Ein Flohmarktsonntag. Sonnenschein. Augen, die hinter getönten Gläsern der geschwungenen Sonnenbrille Verkaufstische auf interessante Kuriositäten absuchen. Doch anstatt ein neues Schmuck- oder Kleidungsstück zu sichten, bleibt mein Blick an einem sympathisch wirkenden, jungen Mann hängen.

    Lässig gegen ein schmiedeeisernes Tor gelehnt. Dichtes, schwarzes Haar. Und meine innere Stimme flüstert mir zu: „den nimmst du dir mit nach Hause“. Gesagt, getan. Für zwei Euro stecke ich den hübschen Fund in meinen Jutebeutel. Wer Eric Martin ist und was für Musik er macht, wusste ich nicht. Entscheidend war hier meine Schwäche für Cover, auf denen jemand herumlungert.

    Kaum bin ich zuhause, lasse ich mir den Inhalt der Überraschungstüte auf dem Drehteller präsentieren. Woher kommt mir dieser überaus charakteristische Gesang bekannt vor? Zwei Klicks und Wikipedia. Ich staune nicht schlecht. Eric Martin war also Sänger von Mr. Big. Na, klingelt’s bei To Be With You oder Wild World?

    Doch was mich wirklich aus Latschen haut, steht zwei Absätze weiter unten. Kann das sein? Er war ebenfalls Teil des Power Rangers Orchesters. Seine Stimme begleitet demnach den Theme Song des Films Mighty Morphin Power Rangers. Jetzt werden alte Kindheitserinnerungen geweckt. Hast du damals auch Power Rangers geguckt? Ich war immer gelb.

    Kraków Loves Adana – Songs After the Blue

    Eine Record Release Show in Hamburg. Durchdringender Gesang, der mich seit Tagen nicht mehr losließ. Ein Interview mit der Sängerin des Duos. Und ehe ich mich versah, halte ich das besagte Album schon in den Händen. Nach dem kleinen Konzert und einer Runde Smalltalk.

    Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass die Songs after the blue auf Platte nochmal viel intensiver wirken, als in einer Spotify Playlist. Dementsprechend glücklich bin ich, den Tonträger nun bei mir zu führen, als ich das Molotow verlasse. Mit der Bahn an meiner Station ankomme. Und extra langsam das Fahrrad nach Hause lenke, da ich ohne Tasche oder Fahrradkorb die Platte irgendwie unter meinem Arm balanciere. Hat sich gelohnt.

    Florent Pagny – N’importe Quoi, Je resterai là und B. B. Jerome & The Band Gang – Shock Rock

    Eigentlich war ich mit meiner Mutti nach Berlin gefahren, um ein Outfit für den Abiball auszusuchen. Dass wir da in Plattenläden nicht fündig werden, war uns klar. Und egal. Irgendwann Nähe Prenzlauer Berg kommen wir in ein kleines, verkramtes Geschäft. Es riecht nach Räucherstäbchen und überall stapeln sich kleine Holzkisten, darin wiederum Singles. 20 Cent das Stück. Meine Gelegenheit, mir ein, zwei Platten mit besonders ansprechendem Cover nach Hause zu nehmen und mich später über kuriose Musik zu amüsieren.

    Ich entschied, da ich meine Französischkenntnisse gern durch Songtexte aufbessere, dass mich Versionen frankophoner Lieder nach Hause begleiten sollen. Einige in dem gequetschten Haufen an Vinyl entdeckt, fiel meine Wahl wieder auf Herumlungerer, die mir von der Hülle entgegenblickten.

    Einmal Florent Pagny in seiner Lederjacke. Ich tippe auf französischen Schlager und habe damit nicht unrecht. Doch da er auf der Frontseite als „Die Nr. 1 aus Frankreich“ deklariert wird ist das gute Stück gekauft. Als zweites fallen mir B. B. Jerome & The Bang Gang ins Auge. Shock Rock. A-Seite auf englisch. B auf französisch. Das Lied hat es mir tatsächlich angetan, schwingend hüpfe ich durch die Wohnung. Das Video dazu macht die Sache noch besser. Guck’s dir bitte an. Yeeah. Hey you! Shock! Shock Rock! Na, Ohrwurm?

    Arctic Monkeys Tranquility Base Hotel & Casino

    Ein Album, das die Gemüter spaltet. Mir jedoch außerordentlich gefällt. Nicht nur das Ambiente, auch die Texte. Verworren beim ersten Hören, bildlich und doch wieder nicht. Weil ich nach den Abiturprüfungen gefühlt jeden zweiten Tag in Berlin verbrachte, fuhr ich auch an dem Tag des Arctic Monkeys Albumkaufs in die Hauptstadt. Zu diesem sogenannten „Pop Up Store“.

    Ein kleiner Tisch mit Fanartikeln steht neben irgendeiner Rezeption eines Gebäudes. Was war es genau, Hotel, Einkaufszentrum, Bar? In der Bar kam ich als erstes raus, nachdem ich den falschen Fahrstuhl genommen hatte. Zu blöd, von hier aus sah man nur die Affen des Berliner Zoos. Irgendwie hatte ich mir diese „Pop Up Store“-Sache spektakulärer vorgestellt.

    Die Aufmachung der Platte ist zum Glück um einiges ästhetischer als mein Einkaufserlebnis. Goldfarbenes Vinyl in schwarzen Sleeves. Ein Albumheftchen mit Fotos. Und Lyrics, die auf durchscheinendes Butterbrotpapier gedruckt sind. Hui.

    Drangsal – Zores

    Vom Arctic Monkeys Pop Up Store zur S-Bahn. Vom Zoo zur Friedrichstraße. In den Dussmann. Denn dort gibt Max Gruber eine Akustik Session zum neuen Album Zores. Doch schon als ich das Kulturkaufhaus betrete, ahne ich nichts Gutes. Die Besucher*Innen sind so zahlreich erschienen, dass nicht allen ein Platz vor der Bühne sicher ist. Und wie ich mein Glück kenne, ja genau, bleibe ich vor verschlossener Tür? 

    Ganz so war es nicht. Zuschauer*innen, die es aufgrund Platzmangels nicht in die untere Etage zum Ort des Geschehens geschafft hatten, wurden am Treppenabsatz zu Zuhörer*innen. Ohne den Mund vor sich zu haben, dem die süßen Melodien entrinnen, treffen die Töne doch ungefiltert mein Ohr.

    Ach, und später traf Drangsal noch all die ausdauernden Fans. Für ein Foto. Und eine Signatur auf dem Plattencover. Dort habe ich auch meine Scheibe ergattert. Dass ein falsch geschriebener Name mit durchkreuztem H darauf prangt, verzeih ich. Wie sowas immer zustande kommt? Ganz einfach:

    Ich (extra deutlich): Für Annekatrin, bitte.

    Drangsal: Oh, das musst du mir buchstabieren, ich möchte nichts falsch schreiben.

    Ich: Ok, kein Problem. Also erstmal Anne, wie Anne- 

    Drangsal (der im Eifer des Gefechts schon den gesamten Namen geschrieben hat): -ah, und dann Kathrin, wie Kathrin-

    Ich: -aber ohne H

    Drangsal (ärgert sich): Ach scheiße.

    Tja und dann tat er mir leid, sodass ich nicht noch sagen konnte, dass der Bindestrich ebenfalls inkorrekt ist.

    FYE & FENNEK – Separate Together

    Diese Platte lag eines schönen Sommertages in meinem Briefkasten. Wie passend, da ich gerade während meiner Social Media Diät dem digitalen Leben zum Teil den Rücken gekehrt hatte. Dementsprechend freue ich mich riesig über Paket und Briefchen, sowie deren Inhalt.

    Abends auf meinem Zimmer hockend, setze ich langsam die Nadel auf das hellgrau durchscheinende Vinyl. Und nehme mir Zeit, nicht nur die Musik, sondern auch die äußere Erscheinung wertzuschätzen. Ein glänzendes Gatefold Cover, Außen sowie Innen mit feinsinniger Fotografie bedruckt, die das Duo abbildet. Und ein quadratisches Blatt, das, einem Beipackzettel ähnlich, Worte aneinanderreiht und die Inhalte beschreibt.

    Sam Fender – Play God, Greasy Spoon

    Ziemlich spontan war ich auf dem Konzert von Sam Fender im April 18. Das ging noch, weil nicht jeder Auftritt gleich ratzfatz ausverkauft war, wie es jetzt der Fall ist. Der Club war gut besucht, jedoch nicht überfüllt. Und mit den ersten Töne wurde ich bereits zum Fender Fan. Dass der Sänger nach seiner Show persönlich beim Merch auftauchte, hat mich ziemlich umgehauen.

    Dort gab es unter anderem die sehr ästhetischen weißen Platten als Singles. Einmal Play God und Greasy Spoon auf einer Scheibe, sowie Millenial und Start Again. Oha, wie sollte ich mich da entscheiden? In der Aufregung wählte ich erstere. Ziemlich dämlich. Ich hätte einfach beide nehmen sollen. Denn hübsch signiert macht die ganz schön was her im Regal. 

    Ebenso wie die unterschriebene Setlist. Hier diesmal nur „Anne“, das war einfacher. Anscheinend war ich trotz dessen mit meiner Kommunikation nicht ganz deutlich. Da auf einmal neben meinem Namen auch „get well soon“ stand. Doch das einzige, was an diesem Abend sick war, war der Auftritt des englischen Künstlers. Naja, immerhin steht’s nicht auf der Platte.

    The Strypes – Spitting Image

    Mittlerweile hat sich das irische Quartett aufgelöst. Heißt das, die unterschriebene Platte gewinnt nun an Wert? Wie dem auch sei. Bei ihrer Europatour Anfang letzten Jahres durfte ich einen fetzigen Auftritt in Berlin miterleben. Schweißgebadet und euphorisch geht es zum Merchtisch. Für ein kleines Souvenir.

    Letztendlich hielt ich ein T-Shirt in der Hand, als die Bandmitglieder der Reihe nach am Verkaufstresen aufschlugen. Gleich wurden ihnen begeistert Platten und CDs entgegengereckt. Also doch eine Platte. Rein aus Affekt kaufe ich die LP, um diese bisher kaum zu hören (was ich ändern sollte). Und ließ sie mir unterschreiben. Für Video-Footage dazu folge diesem Link, mit etwas Glück erhaschst du vielleicht die Millisekunde, in der ich und meine frisch erworbene Platte zu sehen sind.

    Simon & Garfunkel – Greatest Hits

    Während der Recherche für einen Vortrag in Geschichte hat meine Mutti diese Platte entstaubt und vom Dachboden geholt. Musik in der DDR war das Thema. Simon und Garfunkel, die allererste Schallplatte meiner Mutti. Und dann noch eine der raren Lizenzplatten.

    Zum Glück kannte meine Oma die Verkäuferin des Musikladens, die ihr die Platte verkauft hatte. Vorteilhaft für „Geschäfte unterm Ladentisch“. Das trifft es auch in dem Sinne ziemlich gut, da meine Oma keine Ahnung hatte, wer Simon & Garfunkel waren. Ein Blindkauf. Die Schallplatte war gerade da und wurde dann „einfach mitgenommen“. So wie ich sie dann einfach mal mit in meine Sammlung genommen habe..


  • RECORDS ARE A GIRLS BEST FRIEND

    RECORDS ARE A GIRLS BEST FRIEND

    Es war nicht beim Stöbern auf Oma’s Dachboden. Keine verstaubte Kiste in der Ecke neben dem antiken Grammophon. Eher auf ganz unromantischem Weg und in ganz und gar charmeloser Umgebung traf ich auf das schwarze Gold mit Rille.

    die Erste / twenty one pilots – Vessel

    Und auf einmal hielt ich meine erste Platte in den Händen. Natürlich war meinem Unterbewusstsein der Aufschwung dieses wiederbelebten Mediums bekannt. Seit einiger Zeit sogar. Doch erst in diesem Moment (irgendwann im Sommer 2016) spürte ich eine aufrichtige Anziehung zu diesen riesigen, schwarzen Scheiben. (Fun-Fact: Meine erste Platte ist noch nicht mal schwarz.)

    Ein eigener Plattenspieler? Zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhanden. Meine Taktik? Die neue Platte so oft und so laut auf dem Spieler meiner Eltern zu hören, bis diese ihn mir mit wehenden weißen Fahnen überlassen.

    der Dachbodenfund / The Rolling Stones, Creedence Clearwater Revival, Neil Young – Harvest 

    Das Interesse geweckt und den ein oder anderen erfolgreichen Fund in Aussicht, beginne ich nun doch meine persönliche Dachbodenexpedition. Mitgenommen habe ich Material für ruhige Minuten – Neil Young. Oder die time to rock. Wohl eher die Klassiker in meinem Plattenregal. Neben denen ebenso die Klassik ihren Platz hat.

    die Klassische / Glenn Gould – Goldberg Variationen, Mozart Die Klaviersonaten

    Ausgelöst durch das Lesen einer Biografie. Unterstützt von einem netten Herrn, der mir nach Auflösung seiner Klassiksammlung seine Glenn Gould Platten überließ – meine Faszination für die Interpretationen Gould’s, für diese Klavierstücke mit Seele. Übrigens sind die Sonaten, die fünf Vorder- und Rückseiten füllen, ein guter Hausaufgabensoundtrack.

    der Dauerbrenner / Drangsal – Harieschaim

    Wenn Glenn Gould seltener auf meinem Plattenteller zu finden ist (was natürlich nicht daran liegt, dass ich selten meine Hausaufgaben mache). Dann ist das Debütalbum Drangsal’s ein echter Dauerbrenner. Meine Freude diese Platte zu hören ist unbeschreiblich – jeder Song ist ein Volltreffer und macht das Gesamte dadurch nicht weniger großartig. Damit meine ich auch die Aufmachung, das Cover und die absolut krasse Schriftart, die mich jedes mal, wenn ich die Platte heraushole, vom Plattensleeve her anlacht.

    das Schmuckstück / Bilderbuch – Schick Schock

    Schon früh war mir klar, dass sich das Plattensammeln nicht allein auf die gute Musik, das Herz der Platte, beschränkt. Genauso wichtig ist das Design, die Aufmachung, ein liebevoll durchdachtes Konzept. Was ist schöner als ein tolles Album, das alle Sinne anspricht? Da darf es schon einmal ein Gatefold-Cover sein und goldene Schrift bzw. Schutzhüllen, die im Licht glänzen. 

    der Regenbogen / Razz – Nocturnal, Gerard Way – Pinkish/Don’t Try, Blaenavon – That’s Your Lot, Imagine Dragons – Evolve, My Chemical Romance – Greatest Hits

    Ach, und da immer nur schwarze Vinyl doch langweilig sind – ein bisschen Farbe und Individualität schaden nie. Ob blau, weiß, pink gesprenkelt, grau oder komplett durchsichtig. Spezial Editionen jeglicher Art sind immer willkommen.

    Die vier genannten LPs und eine 7″ sind nicht nur hübsch anzusehen. Wie ich Dir hier schon verkündet habe, bin ich z.B. von der Nocturnal Platte mehr als entzückt. Doch auch Blaenavon haben mit That’s Your Lot ein meisterhaftes Gesamtwerk geschaffen.

    Mittlerweile ist auch der eigene Plattenspieler kein entfernter Traum mehr. Zu meinem 18. Geburtstag bekam ich ein silbernes Goldstück an Spieler, den Denon DP-300F. Und meine Zufriedenheit befindet sich nun auf höchstem Level – endlich besitze ich einen wunderschönen Plattenspieler, der meiner geliebten Sammlung gerecht wird.

    die Rarität / Jack White – Acoustic Recordings

    Okay, bis jetzt bereichert keine wirklich seltene Platte mein Regal. Jedoch sind die Acoustic Recordings von Jack White ein kleiner Schatz für mich. Da ich mich einerseits noch nie so sehr darüber gefreut habe, eine diverse Vinyl in meinen Händen zu halten wie diese. Andererseits ist das mein bisher einziges signiertes Exemplar. Signiert von Jack White. hui.

    der Flohmarktfund / Talking Heads – Stop Making Sense

    1/24 meiner Schallplatten habe ich aus einem ziemlich ranzigen Karton gerettet, der ohne Beachtung bei einem Flohmarkt in der letzten Ecke stand. Und tatsächlich hat sich die Aktion gelohnt, denn die Live-Aufnahmen von Talking Heads sind überraschender Weise zu einer meiner Lieblingsplatten (falls das überhaupt existieren sollte) geworden. 

    die Single / David Bowie – Heroes, Parcels – Overnight, YAK – All I Need Is Some Sunshine In My Life, Young The Giant – Mirrorball, Bob Dylan – Like A Rolling Stone

    Einige Zeit im Hintergrund meiner Sammlung – die Singles (für einen leider deutlich kürzeren Hörspaß). Doch von Zeit zu Zeit sammeln sich diese kleinen Scheiben – manche als Teil des Rolling Stone Magazins oder als Mitbringsel von Konzerten. Ganz drum rum bin auch ich nicht gekommen.

    der Elvis / Elvis – Gold Records, Good Rockin‘ Tonight

    Ebenso wenig wie ich um die gute, alte Elvisplatte herumgekommen bin. Ganze drei Schmuckstücke, die (wenn ich ehrlich bin) sehr oft ihre Runden auf dem Plattenspieler drehen. Und damit ist Elvis auch der am meisten vertretene Künstler in meiner Sammlung.