Schlagwort: BUCHEMPFEHLUNG


  • BÜCHER, DIE ICH LAS / MÄRZ 22

    DOCH – Drangsal

    Die meisten Bücher, die ich von Künstler*innen las, waren ein Anlass zum genaueren Hinhören, Sezieren bis dato mir nicht so bekannter Musik. Nicht so bei diesem Buch, was weder Roman noch Biographie ist. Eine Sammlung an Gedanken, die in 173 Seiten durch Erinnerungen, Fantasien, Absurditäten oder Süßigkeiten führen. Ein lyrischer Output, der in dem Maße nicht in Songtexte passt. Das Buch ist kurzweilig, perfekt für eine Bahnfahrt. Es ist ein sanftes Buch. Und beim Lesen habe ich die Stimme des Autors im Hinterkopf, die aus Podcasts und Interviews nur zu vertraut ist. Nichtsdestotrotz ist der Tonfall etwas anders. Verzierte und gleichzeitig unverblümte Worte überwiegen den Text und manchmal denke ich, da haben wir etwas gemeinsam, wenn sich die Erlebnisse wie bei „Lachen“ auf dem Papier ausfalten.

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  • BUCHEMPFEHLUNGEN APRIL 2021

    A ram sam sam! A ram sam sam! Kuni kuni kuni kuni ram sam sam! A ka yéh joopi a ka yéh! A roo a roo a ni ki chi!

    Eine Aneinanderreihung von Silben, die einigen so ähnlich aus einem marokkanischen Kinderlied bekannt sein dürften. Jedenfalls ist es dieses Kinderlied, was zum Refrain von Wordy Rappinghood der Band Tom Tom Club inspiriert hat, wie Chris Frantz in seinem Buch auf Seite 279 beschreibt. „Remain In Love“ ist der Titel der Autobiografie eines Musikers, der nicht nur Gründungsmitglied des Tom Tom Clubs, sondern auch Drummer der Band Talking Heads ist.

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  • UMBLÄTTERN

    UMBLÄTTERN

    Alternativer Titel: 10 Buchempfehlungen für ruhige Lektürestunden. Natürlich alles irgendwo auf die Musik bezogen. Zwischen Roman, Ratgeber und Wissenserweiterung.

    1. How Music Works – David Byrne

    David Byrne, vielen vielleicht bekannt als Sänger von Talking Heads, hat in die Seiten dieses Buches so ein umfassendes Wissen über Musik fließen lassen, dass ich es direkt zwei Mal lesen musste. Es ist eine Mischung aus Einblicken in seine eigenen Projekte und Gedanken zu Geschichte, Wirkung, Entstehung und Beschaffenheit von Musik. Wer wissen möchte, how music works, findet in diesem Werk die Ansätze für ein angeregtes Nachdenken darüber.

    2. Fangirls – Hannah Ewens

    Von der Lisztomanie – einer ersten Fanbewegung um den Komponisten Franz Liszt – bis zu den Fans von Lady Gaga, den Little Monsters. Hannah Ewens hält in ihrem Buch fest, was es bedeutet, ein Fangirl zu sein. Mit persönlichen Geschichten von Girls und für „every girl who has ever had an obsession“ sammelt die Autorin Szenen aus verschiedenen Fandoms und beleuchtet die Musikkultur mal nicht mit Blick auf die Künstler*innen, sondern deren Rückgrat – die Fans. 

    3. Der Tastenficker / Heute hat die Welt Geburtstag – Flake

    Flake ist der Tastenficker, der Keyboarder von Rammstein. In seinem ersten Buch erzählt er über sich, sein Leben, erste Banderfahrungen und Flugangst. Dann folgen in Heute hat die Welt Geburtstag schriftlich festgehaltene Rammstein-Momente. Vielleicht stimmt es und „niemand würde dieses Buch in die Hand nehmen, wenn [er] nicht in dieser Band spielen würde.“ Doch nachdem ich einige unterhaltsame Stunden mit beiden Werken verbracht habe und diese dann an meine Mutter (absolut KEIN Rammstein Fan) weitergab, war auch sie davon begeistert. Das liegt an dem Schreibstil, Humor oder der Verknüpfung und Verzettelung von Erinnerungen aus Flakes Leben. 

    4. Clothes, Clothes, Clothes. Music, Music, Music. Boys, Boys, Boys. – Viv Albertine

    Viv Albertine, the Slits und die Geschichte einer Frau, die sich ihren Weg in die britische Rockmusik erkämpft. Es geht um Music, Boys und Clothes wie die von Vivienne Westwood. Unbeschönigt und trotzdem mit einer Prise Witz gibt die Autorin einen Einblick in ihr Leben, die Höhen, rauen Tiefen und die Punkszene der Siebziger Jahre. 

    5. Wir zwei sind Du und Ich – Diana Raufelder

    Ich habe dieses Buch bestimmt schon zehn Mal gelesen. Weil es recht kurz ist. Aber vor allem, weil es ein wahres Wohlfühl-Buch ist, wenn es sowas gibt. Es ist eins der wenigen fiktionalen Geschichten, die noch in meinem Regal stehen, doch die Geschichte von Ri und Ben – einer ganz besonderen Freundschaft wärmt einfach das Herz an kalten Tagen. Die Autorin vereint in ihrer Erzählung Themen wie das Erwachsenwerden, Liebe, Herkunft, Verlust und dem Lampenfieber vorm ersten Bühnenauftritt. Mit einer Hauptfigur, die im Trubel von Berlin am liebsten in Plattenläden rumhängt und Leonard Cohen hört. 

    6. Lost and Sound. Berlin, Techno und der EasyJet – Tobias Rapp

    Auch dieses Buch findet in Berlin seine Kulisse. Der Titel verrät es schon, es geht um die Clubszene der Hauptstadt, das Nachtleben, die Partytouristen, die Afterhour. Berghain, Billigflieger und Bebauungsplane. DJs, House, Techno, Spreeufer für alle, Tresor, Watergate, Panoramabar. Ich könnte die Liste der Worte, mit denen Tobias Rapp auf dem Einband seinen Buchinhalt beschreibt noch fortführen, aber du konntest dir sicherlich bereits ein Bild machen. 

    7. All My Sons – Arthur Miller

    Wer sich schonmal gefragt hat wie Bands zu ihrer Namensgebung gekommen sind, weiß, dass sich manchmal die abgefahrensten Geschichten dahinter verbergen. Eine Geschichte, oder besser gesagt ein Drama, ist es im wahrsten Sinne des Wortes auch, das twenty one pilots zu ihrem Namen verhalf. All My Sons spielt im kleinbürgerlichen Umfeld der Familie Keller, die bei einem Treffen nicht nur das Verhältnis von Vater und Sohn, sondern auch Geschäftsethik und persönlicher Moral in Frage stellt und dabei gleichzeitig beantwortet, warum einundzwanzig Piloten sterben mussten. 

    8. Das Geschäft mit der Musik – Berthold Seliger

    Kritik an der Musikindustrie. Die übt Berthold Seliger in seinem Buch aus. Er beleuchtet dabei verschiedene Bereiche von Tonträger-Industrie, Gema bis zum Sponsoring, auch der Musikjournalismus ist mit von der Partie. Ich bin mir nicht sicher, wie aktuell einzelne Fakten, Zahlen und Ansichten sind, so sieben Jahre nach dem Ersterscheinungstag des Buches. Aber auch heute noch blätterte ich nachträglich ab und an durch die Seiten, um Strukturen und Vorgänge bei Musikveröffentlichungen, Konzertplanungen, Albenbesprechungen zu hinterfragen und zu überdenken. 

    9. Chasing Sound – Susan Schmidt Horning

    Von der Erfindung des Phonographen bis zur LP, Susan Schmidt Horning schildert in ihrem Buch die „Technology, Culture & the Art of Studio Recording“ mit Augenmerk auf die United States. Tonstudios und ihre Rolle bei der Musikproduktion. Von Momenten der Phonograph Fright, die die Musiker*innen überkam, weil sie es nicht gewohnt waren in Aufnahmegeräte zu singen. Oder die Arbeit von Tonmeister, -techniker, Produzent im Wandel der Zeit und Studioausstattung.

    10. Just Kids – Patti Smith

    Ein Klassiker. Wer dieses Buch noch nicht gelesen hat, sollte das schleunigst nachholen. Patti Smith beschreibt darin ihre Erinnerung an die Zeit und Freundschaft mit Robert Mapplethorpe. Und das tut sie mit einer gewaltigen Ausdruckskraft, Ehrlichkeit und Poesie, die ergreift. Ich hatte Tränen in den Augen und war gleichzeitig so bewegt, inspiriert von ihrer Leidenschaft für die Kunst, dass ich tagelang nicht schlafen konnte und spontan eine Reise nach London unternahm. Einfach, weil in dieser Geschichte so eine Energie steckt, die auf eine Art und Weise beflügelt. Just Kids ist definitiv eines meiner absoluten Lieblingsbücher. 


  • LIEBLINGSDRAMA UND NAMENSGEBUNG

    LIEBLINGSDRAMA UND NAMENSGEBUNG

    Warum heißen twenty one pilots eigentlich twenty one pilots? Und wie kam es, dass ich nun auch Bühnenstücke lese? Dahinter steckt ein kleines, aber feines Bühnenwerk aus der Feder von Arthur Miller.

    All My Sons ist ein Drama in drei Akten über eine Familie, dessen Vater während des Krieges eine Entscheidung getroffen hat, die nicht nur für 21 Piloten, sondern auch für einen seiner zwei Söhne tödliche Konsequenzen hatte.

    Joe Keller hatte die Wahl und entschied sich für das Wohl seiner Familie. Die schwerwiegenden Folgen für die Allgemeinheit in Kauf nehmend. So ließen er und sein Geschäftspartner, um der Existenz ihrer Maschinenfabrik nicht zu schaden, fehlerhafte Maschinenteile ausliefern, die für den Krieg in Flugzeugen verbaut wurden und diese zum Absturz brachten.

    Joe Keller entzog sich seiner Schuld, die ihn nach einigen Jahren jedoch einholt, als der verbliebene Sohn die Wahrheit über den Entschluss seines Vaters und den Tod seines Bruders erfährt.

    Im Verlauf der Handlung werden die zwei Hauptthemen des Werkes deutlich: Die Beziehung zwischen Vater und Sohn, und der Konflikt zwischen persönlicher Moral und dem Erhalten des Geschäfts.

    Was mich an Arthur Millers All My Sons fasziniert, ist, dass das Drama ausschließlich in dem persönlichen Umfeld der Familie stattfindet und somit, die Einblicke in das Leben und die Probleme der Familie sehr real erscheinen und nicht weit hergeholt. Das erschafft im ganzen Werk eine Art spürbaren Menschlichkeit.

    Doch was hat diese Geschichte mit twenty one pilots zu tun? – Sie war die Inspiration für Tyler Joseph (Sänger von twenty one pilots), nachdem er das Bühnenstück im College behandelt hat.

    Wie schon vorher genannt, sind durch die Entscheidung des Vaters in dem Drama 21 Flugzeuge abgestürzt, da in ihnen die fehlerhaften Maschinenteile verbaut wurden.  Der Name „twenty one pilots“, so äußert sich Tyler Joseph in einem Interview bei joiz, soll die Band daran erinnern, dass schwierige Entscheidungen auf sie, ob als einzelne Person oder als Band, zukommen werden und sie sich richtig entscheiden müssen, auch wenn der Nutzen oder das Ergebnis erst nach einiger Zeit sichtbar wird.

    Ich bin begeistert von dem Drama All My Sons und der Geschichte, die hinter twenty one pilots steckt. Dieses kleine Theaterstück hat mich zum Nachdenken gebracht, inwieweit die Sorge um die Familie wirklich Entscheidungen beeinflussen kann und ob ich genauso wie Joe Keller reagiert, das Unglück von anonymen Individuen dem der eigenen Familie vorgezogen hätte. Oder ob das Familienwohl letztlich an diesem Entschluss zerbrochen ist.

    Wie hättest Du Dich entschieden?